Was feiern wir zu Weihnachten?

Shownotes

Es geht um die Frage, was wir feiern, wenn wir Weihnachten feiern. Die klassische Antwort des Christentums lautet, dass wir die Geburt Jesu von Nazareth, des Sohnes Gottes, feiern. Doch viele Menschen haben heute keinen Bezug mehr zu diesem religiösen Verständnis. Gibt es alternative Deutungen? Kann man das Weihnachtsfest auch als ein modifiziertes Sonnenwendefest, als ein Friedensfest im Winter feiern? Was spricht für die neue Deutung, was dagegen? Wahrscheinlich ist keine Deutung in einer pluralistischen Gesellschaft unumstritten. Einig sind sich die beiden Kontrahenten dagegen darin, dass Weihnachten festlich begangen werden soll. In diesem Sinne wünschen beide Gesprächspartner am Ende ein frohes Weihnachtsfest!

Der Humanist Helmut Fink und der Theologe Frank Vogelsang diskutieren kontrovers zu Grundfragen der menschlichen Existenz. So zum Beispiel "Braucht der Mensch einen Glauben?", "Gibt es ein Leben nach dem Tod" oder auch "Widerlegt das Leid der Welt die Existenz Gottes?".

Das Talkformat "Doppelblick" ist eine Kooperation der Evangelischen Akademie im Rheinland und der Akademie für säkularen Humanismus.

Die Folgen 1–14 wurden im Zeitraum Mai 2024 bis November 2025 bereits auf dem YouTube-Kanal eair-Diskurse als Videos veröffentlicht und sind ab Dezember 2025 auch als Podcast zu hören.

Dr. theol. Frank Vogelsang ist Direktor der Evangelischen Akademie im Rheinland. https://ev-akademie-rheinland.ekir.de/start/home/ Dipl.-Phys. Helmut Fink ist Leiter von Kortizes, der Akademie für säkularen Humanismus. https://kortizes.de/akademie/

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00:00:00: Zu Weihnachten feiern wir die Geburt Jesu, Jesu von Nazareth, welches der Sohn Gottes war und wir feiern dieses Geburtfest am fünfundzwanzigsten Dezember.

00:00:16: Ich würde dafür werben, etwas anderes zu feiern, nämlich ein Friedensfest im Winter, kulturell angereichert durch schöne Symbole, die uns das Immergrün der Natur ins Haus holen.

00:00:30: Nämlich als geschmückten Tannenbaum, als Lichterbaum, als Weihnachtsbaum, aber nicht als Christbaum.

00:00:37: Doppelblick.

00:00:38: Streitfragen aus christlicher und humanistischer Perspektive.

00:00:45: Es diskutieren der Physiker Helmut Fink und der Theologe Frank Vogelsang.

00:00:53: Hallo Helmut.

00:00:54: Hallo

00:00:55: Frank.

00:00:56: Helmut, welche Frage hast du heute mitgebracht?

00:01:00: Ich habe die Frage mitgebracht, jahreszeitlich bedingt.

00:01:03: Was feiern wir eigentlich zu Weihnachten?

00:01:06: Okay, eine Frage, die man recht leicht beantworten kann.

00:01:09: Zu Weihnachten feiern wir die Geburt Jesu, Jesu von Nazareth, welches der Sohn Gottes war.

00:01:18: Und wir feiern dieses Geburtfest am fünfundzwanzigsten Dezember.

00:01:26: Ja, ja, das ist die Antwort eines überzeugten Christen.

00:01:30: Ich vertrete ja einen sekularen Humanismus und ich würde nicht sagen, dass ich auf Weihnachten verzichten will oder muss, nur weil ich die Glaubensbotschaft des Christentums nicht teile.

00:01:43: Ich würde dafür werben, etwas anderes zu feiern, nämlich ein Friedensfest im Winter, kulturell angereichert durch schöne Symbole, die uns das immer Grün der Natur ins Haus holen, nämlich als geschmückten Tannenbaum, als Lichterbaum, als Weihnachtsbaum, aber nicht als Christbaum.

00:02:05: Denn es scheint mir nicht, um die Legende vom welterlösenden Säugling zu gehen, wie das der freigeistische Philosoph Joachim Karl mal formuliert hat, der mich auch in diesen Fragen geprägt hat.

00:02:19: Das wäre eine kulturelle Blickverengung, sondern es geht um das, was alle Menschen verbindet, nämlich in der kalten Jahreszeit auf der Nordhalbkugel, ein Symbol zu setzen, dass das Licht die Dunkelheit überwindet und dass die Wärme die Kälte überwindet.

00:02:36: Und dafür gibt es einen ganz klaren, naturnahen, natur begründeten Anlass, nämlich die Wintersonnenwände.

00:02:44: Das ist der Anlass.

00:02:45: Deswegen, der Dezember, weil man dann auch früher schon drei Tage nachdem die Tage wieder länger werden gemerkt hat, dass die Tage wieder länger werden und dass wir uns auf die Natur verlassen können.

00:02:57: Und das ist ein schöner Anlass, um Tage der Stille zu begehen mit Freunden, mit der Familie, mit Verbanden als friedliche Auszeit, bevor das neue Jahr beginnt.

00:03:11: Und dadurch sind sind Gründe gesetzt, um das ganze gemeinschaftlich zu begehen.

00:03:20: Aber das geht tatsächlich ohne Christentum.

00:03:22: Was sagst du denn dazu?

00:03:25: Man kann vieles ohne das Christentum machen.

00:03:27: Machen auch viele Menschen auf der Welt.

00:03:29: Wir sind nicht bei Walpen, nicht alle Christinnen und Christen.

00:03:32: Natürlich, es gab, weiß ich auch in der DDR, dann das Jahres-die-Jahres-Endfeier.

00:03:38: Man kann natürlich auch kleine Engelchen dann produzieren aus Holz, aber sie anders benennen.

00:03:49: Also das ist möglich.

00:03:50: Klar, ich glaube nur, dass die Botschaft, dass in diesem kleinen Kind etwas geschehen ist, was die Welt verändert hat, etwas sehr Großes steckt.

00:04:05: Und davon würde ich natürlich nicht lassen wollen.

00:04:09: Und ich finde auch noch mal besonders zu sagen, naja, man könnte sagen, das ist jetzt das alte Christentum und das ist ja was von gestern und das ist ja längst überwunden.

00:04:20: Ich würde vielleicht doch noch mal darauf hinweisen, wie eigentümlich diese Altrede ist.

00:04:27: Die ist ja nicht aus sich selbstverständlich.

00:04:29: Wer würde schon auf die Idee kommen, einen Säugling in Windeln gewickelt zuzuschreiben, dass er die Welt retten kann?

00:04:40: Das ist eine sehr eigentümliche Behauptung, die aufgrund ihrer weniger geringen Plausibilität vielleicht schon ein bisschen mehr Aufmerksamkeit erwarten kann.

00:04:52: Und ich glaube, dass das eben mit dieser Aussage, wir Christinnen und Christen schon etwas feiern, was dieser Welt gegenüber einer Ansage macht.

00:05:05: Also wenn ich dich richtig verstehe, dann sagst du ja selbst, dass die Behauptung aus einem Säugling herausentwickelt sich eine Halsgeschichte, die die Welt verändert und die Welt zum Besseren verändert, dass das eine unwahrscheinliche Aussage ist.

00:05:18: Und nun gehört es ja zum skeptischen Standardrepertoire, dass man je unwahrscheinlicher eine Aussage ist, dass durch stärkere Indizien zur Begründung verlangt.

00:05:29: Ja, also wenn etwas ohnehin schon plausibel ist, dann wird man es auch bei geringen Indizien glauben können.

00:05:36: Wenn etwas sehr unwahrscheinlich erscheint, dann möchte man durch harte Gründe überzeugt werden.

00:05:40: Und in dieser christlichen Botschaft, wie sie ja bis heute mit Bezug auf das Lukas Evangelium in Weihnachtsgottesdiensten verbreitet wird, stecken nicht nur keine starken Gründe, sondern bei historisch kritischer Analyse sogar eher Gegengründe.

00:05:54: Kein Mensch weiß, wann Jesus von Nazareth geboren wurde.

00:05:57: Warum soll das der fünfundzwanzigste Dezember gewesen sein?

00:06:00: Wenn man nichts weiß, ist die Wahrscheinlichkeit, an einem bestimmten Tag geboren worden zu sein, eins zu dreihundertfünfundsechzig, zwei vier, zwei fünf Nachkommastellen wegen der Schaltjahre.

00:06:10: So, man weiß es also nicht.

00:06:12: Wie kam es denn dazu?

00:06:14: Das war ein Schachzug im vierten Jahrhundert als ein Papst, das einfach auf diesen Termin gelegt hat, weil er sich aus symbolischen Gründen irgendwie angeboten hat.

00:06:24: Also wenn es da um Sonne und Licht und Hoffnung geht, dann kann man das natürlich auf den Zentralhelden der eigenen Religion projizieren.

00:06:32: Und außerdem wurde auch zur Römerzeit zu diesem Termin schon gefeiert.

00:06:36: Es gab etwa die Saturnalien.

00:06:38: Also das hat alles einen kulturgeschichtlichen Hintergrund, der, wenn ich das mal ganz aggressive Formuliere so gedeutet werden kann, dass das Christentum diesen Festanlass vereinnahmt hat.

00:06:50: Und nun würde ich umgekehrt sagen, na ja, es ist ja nicht verboten, wenn man das schon glaubt, dass da zu feiern, es ist okay, aber ehrlich gesagt... Vernünftig ist es auch nicht.

00:06:59: Und vernünftig ist es schon deswegen nicht, weil ja gerade Theologen in ihrer Ausbildung lernen, dass die Zuschreibung zu Bethlehem, die da immer betont wird, letztlich auf der Erfüllung einer alttestamentarischen Voraussage beruht.

00:07:12: Es ist ihm zugeschrieben worden.

00:07:15: Nicht umsonst spricht man ja von Jesus von Nazareth, offenbar ist er ein Nazareth geboren und nicht in Bethlehem.

00:07:21: Das heißt ehrlich gesagt, die ganze Geschichte ist hinterher aus redaktionellen Gründen zusammengestopselt worden.

00:07:26: und das zur Grundlage einer zentralen Begründung für diese Feier zu machen.

00:07:32: Da würde ich sagen, dass das bröttelt, das hat seinen guten Sinn.

00:07:38: Gut, jetzt hast du ja eine Menge Argumente genannt.

00:07:40: Ich möchte mal so ein nacheinander abgehen.

00:07:42: Also zum nächsten Mal, was die Wahrscheinlichkeit, Unwahrscheinlichkeit angeht, hast du natürlich vorkommen recht bei wissenschaftlichen Aussagen, Aussagen über die Welt.

00:07:50: Also das heißt natürlich sind wissenschaftliche Aussagen umso begründungsbedürftiger je unwahrscheinlicher ihre Aussage, ihr Aussagegehalt ist.

00:07:59: Bei religiösen Aussagen ist das ein bisschen anders, denn religiöse Aussagen sind in der Regel unwahrscheinlich.

00:08:04: Also du wirst wahrscheinlich keine religiöse Aussage finden.

00:08:07: von der du sagst, dass sie wahrscheinlich ist.

00:08:09: Aber religiöse Menschen sind sehr davon überzeugt und das nicht, weil es eine Wahrscheinlichkeit hat, sondern weil sie für sich erkannt haben, dass sie ein Wahrheitsgehalt haben.

00:08:22: Das findet auf einer anderen Ebene statt.

00:08:24: Insofern ist die Unwahrscheinlichkeit jetzt kein Argument.

00:08:27: Das andere zu dem Zudem Datum.

00:08:30: Ja, natürlich.

00:08:31: Der fünfundzwanzigste Dezember ist festgelegt worden.

00:08:34: Und ja, das ist vielleicht sogar wahrscheinlich.

00:08:37: Ja, bei dreihundertfünfzig die Tagen ist es ziemlich wahrscheinlich, dass ein anderer Tag war, weil man eben kein klares Kriterium hat.

00:08:46: Tatsächlich ist es so, dass man nicht eine eindeutige Geschichte aus den Geburtserzählungen machen kann.

00:08:54: Man hat was bei Matthäus, man hat was bei Lukas.

00:08:57: Beides passt auch nicht so ganz wirklich zusammen, ist übrigens sehr erstaunlich.

00:09:01: Das haben auch schon die frühen Redakteure wahrgenommen, dass sie dennoch diese Gleichzeitigkeiten gelassen haben und nicht gesagt haben, nein, den Text müssen wir auf Einheit bügeln.

00:09:14: Das hat man nicht getan.

00:09:16: Was zeigt, dass wir wahrscheinlich auch nicht den Anspruch erheben sollten, alles ganz genau detektive schwissen zu können.

00:09:24: Also, wir feiern die Geburt Jesu von Nazareth.

00:09:29: dass die am feinsten december stattgefunden hat darauf haben wir uns gar nicht.

00:09:33: im übrigen die orthodoxe kirche hat aufgrund anderer kalender den sechsten januar griechiorianischer kalender.

00:09:40: auch da könnte man schon haben wieso geht sechster januar und nicht feinster december kurz um?

00:09:45: es ist ein tag und dieser eine tag ist es an dem wir feiern.

00:09:49: darauf haben wir uns geeinigt.

00:09:51: den haben wir nicht identifiziert und auch nicht direktivisch festgestellt sondern auf den haben wir uns geeinigt.

00:09:57: Aber er verbindet.

00:09:58: Er verbindet viele Menschen.

00:10:00: Er verbindet sogar so viele Menschen, dass auch du den dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem dem.

00:10:26: Aber dass es verbindet, dass es sehr viele Menschen auf der Welt verbindet, ist durchaus sehr, sehr wichtig.

00:10:32: Und dass man die Geburt eines Menschen feiert, finde ich auch sehr wichtig.

00:10:36: Weil eben die Geburt eines Menschen, die die Welt verändert hat, dass diese Geburt eine ganz besondere Botschaft beinhaltet, das wirkt auch heute.

00:10:51: Es gibt wenig Erzählungen im Christentum, die heute noch viele Menschen so stark erreichen wie die Geburtsgeschichte Jesu.

00:11:00: Und das zeigt, da steckt etwas drinnen, etwas sehr Basales.

00:11:04: Wir alle sind geborene Wesen, wir alle haben mal in Wimbeln gelegen, also waren abhängig.

00:11:10: Und da steckt etwas sehr Basales, was ... auch gerade die Geburtsgeschichte sehr auszeichnet.

00:11:17: Und dass wir Christinnen und Christen darin auch eine Veränderung der Welt in Ansage an die Welt sehen, weil dieses geborene Wesen eben auch Gottessohn ist, das ist unsere Erzählung und die für uns auch sehr viel Sinn macht.

00:11:34: Naja, also wenn man dem christlichen Glauben versteht, dann wirkt das Ganze natürlich Einigermaßen willkürlich.

00:11:43: Wir feiern ja auch nicht per Konvention den Geburtstag von Odysseus oder von Heracles oder die Vermählung von Romeo und Julia oder was man sonst aus literarischen Quellen anregendes entnehmen könnte.

00:11:55: Und ich meine, wenn du das Menschheitsverbindende betonst, dem stimme ich ja durchaus zu.

00:12:03: Aber warum dann nicht die naturalistische Grundlage nehmen?

00:12:06: Die Wintersonnetwände verbindet ja nur tatsächlich alle und in den nordischen Ländern wird etwa das Julfest gefeiert und dass das mit einer mit einer besonderen Art des Friedens und der Stille verbunden ist.

00:12:18: Da würde ich sagen, da hat tatsächlich über die Jahrhunderte das Christentum auch etwas beigetragen zur Ausgestaltung dieses Feieranlasses.

00:12:26: sozusagen um den kulturellen Leistungen des Christentums auch mal wieder entgegenzukommen.

00:12:30: Ich habe ja gerade massive Kritik geäußert, aber etwa der Spruch Friede auf Erden und den Menschen ein Wohl gefallen.

00:12:38: Der ist natürlich sinnvoll und willkommen.

00:12:42: wenn man nicht glaubt, dass alles von oben spendiert wird, sondern wenn man sich klar macht, dass menschliches Verhalten und menschliche Verhaltensbedingungen erforderlich sind, um den Frieden zu gewährleisten.

00:12:52: Und natürlich würde man als Humanist dann dazu sagen, dass der Friede nicht nur an ein, zwei Tagen im Jahr bestehen soll, sondern möglichst umfassend.

00:13:00: Aber dass man Anlässe braucht, um... eine Innerlichkeit zu pflegen und um zur Ruhe zu kommen und das Ganze auch sinnlich ausgestaltet mit Katzenlicht in kalter Jahreszeit und mit dem geschmückten Baum und vielleicht auch mit entsprechender Musik und mit Plätzchen und Lübein und so weiter.

00:13:21: Das finde ich alles kulturell wertvoll.

00:13:25: Aber an Geburtstag ist es für mich nicht.

00:13:29: Okay, lass mich zunächst mal sagen, dass deine Interpretation auch hochselektiv ist.

00:13:35: Die Hälfte der Menschheit erfasst du nicht.

00:13:37: Die wohnt nämlich auf der Südtalkugel, wahrscheinlich sogar mehr als die Hälfte der Menschheit.

00:13:40: Und die erlebt diesen Wintertag nicht, an dem die Tage wieder länger werden.

00:13:48: Und die Menschen am Equator erleben das überhaupt nicht.

00:13:50: Also wenn er in einer einen noch in einer anderen Fassung, für die, das sind auch nicht wenige, findet davon gar nichts statt.

00:13:58: Also kurzum, wenn wir diesen Tag feiern, sind offensichtlich auch solche naturalistischen Positionen zunächst mal auch willkürlich, man könnte auch was anderes feiern.

00:14:10: Ja, also ich kann mich den nicht entziehen.

00:14:13: Es gibt eine gewisse Willkür, dass wir den dem feinsten Dezember genommen haben.

00:14:16: Ich würde zum Beispiel niemals sagen gegenüber orthodoxem Christian und Christen, das geht gar nicht.

00:14:20: Der sechste Januar ist falsch.

00:14:22: Es ist der feinste Dezember gewesen.

00:14:24: Das glaube ich, wird auch kaum ein Mensch so wirklich behaupten.

00:14:29: Es geht tatsächlich um das gemeinsame Feiern und Gedenken daran, dass Gott Mensch wurde, dass Gott auf dieser Welt gewirkt hat und dass damit auch die Welt anders geworden ist, jedenfalls perspektivisch und dass wir einen anderen Blick auf die Welt gewinnen.

00:14:46: Ja, der Friede.

00:14:47: Der Friede ist plötzlich etwas, was eine Option darstellen kann und gegen die sich auch der hartgesottensste Realist nicht wenden kann, Dieser Fried ist eine Ansage.

00:15:01: Und auch der zynisch wirkende Realist würde sagen, ja, in der würde halt eben das ablehnen, würde sagen, gebt mich gar nichts an, was soll das?

00:15:11: Es gibt Sterben und Gebäude werden und das alles gleich.

00:15:14: Und Sterben tun sich doch eh alle.

00:15:17: Nein, da ist mehr drin und die Geburt zeigt etwas von, eben tatsächlich auch die Geburt, nicht nur so eine Sonnenwende, sondern die Geburt zeigt etwas von diesem verheißenden Frieden, der tatsächlich global ist.

00:15:30: Also ich glaube, dass da eine Menge Dimensionen drin stecken in der christlichen Interpretation des Weihnachtsfestes, das zu bewahren gilt.

00:15:40: Ja, also... Du siehst die Geburt gewollt positiv, aber du weißt natürlich auch, dass menschliche Schicksale nicht automatisch positiv verlaufen und die Welt zum Positiven verändern, nur weil eine Geburt funktioniert hat.

00:15:53: Also das ist natürlich alles sehr voraussetzungsreich und laubensbeladen.

00:15:57: Und ich möchte noch drei andere Bemerkungen machen.

00:15:59: Also zunächst mal, ein Realist kann nicht zynisch sein, sonst ist er auch kein Realist.

00:16:07: Ja, das ist jetzt eine besondere Interpretation des Realismus.

00:16:09: Aber gut.

00:16:11: Ja, genau.

00:16:12: Dann zum Zweiten, die Menschen auf der Südhalbkugel.

00:16:15: Also denen kann ich was anbieten, denn wenn auf der Nordhalbkugel Winter Sonnenwände ist, ist auf der Südhalbkugel Sommer Sonnenwände.

00:16:22: Und dann die Quator?

00:16:23: Die hätten auch einen anlassen.

00:16:24: Die Quator haben mal ein Problem.

00:16:30: Am Equator ist es Konvention mit Rücksicht auf die, die weiter im Norden und im Süden leben.

00:16:36: Das ist schon richtig.

00:16:37: Und ja, nachdem du ja sozusagen die positive Weltveränderung, die symbolisch von diesem Tag ausgeht, so in den Mittelpunkt gestellt hast, muss ich noch mal fragen, was genau meinst du da eigentlich?

00:16:49: Meinst du die Wirkungsgeschichte des Christentums?

00:16:52: Kann dir daran gelegen sein, die historische Wirkung des realen Christentums zu bewerten?

00:16:58: Also da fallen einem ja sehr verschiedene Facetten ein und keineswegs alles hat die Welt besser gemacht.

00:17:03: Also was genau meinst du?

00:17:05: Das ist doch eine bloße Hoffnung.

00:17:07: Und worauf gründet die denn?

00:17:09: Sollte die nicht einfach auf menschlichen Fähigkeiten beruhen und sollten wir nicht zur Grundlage nehmen, dass wir in einem strukturierten Kosmos leben, den wir sogar verstehen können und bei dem wir sogar verstehen können, wie die Erde um die Sonne läuft und wie das mit den Jahreszeiten ist und natürlich auch mit der Dynamik der anderen Himmelskörper, das kommt alles symbolisch in Sommer- und Wintersonnenwände zum Ausdruck.

00:17:35: Dadurch kann ich dabei bleiben und dich fragen, woher du diesen metaphysischen Überbau nimmst.

00:17:44: Es ist nachher kein metaphysischer Überbau, aber das haben wir ja schon auch in anderen Diskussionen gehabt.

00:17:49: Metaphysik liegt mir tatsächlich auch fern.

00:17:51: Es geht eher um existenzielle Erfahrungen, die man machen kann.

00:17:57: Und z.B.

00:17:58: existenzielle Erfahrungen gehört eben auch die Geburt.

00:18:01: Und was wir Christinnen und Christen in der Geburt eines Menschen eine derartig gravierende Veränderung der Welt feiern, ist, wie ich schon sagte, in keiner Weise plausibel.

00:18:13: Das ist so, ja, aber auch keine wissenschaftliche Aussage über die Welt.

00:18:18: In wissenschaftlichen Aussagen kommt das nicht vor.

00:18:21: Kann auch nicht vorkommen.

00:18:25: Was ist jetzt die gravierende Veränderung?

00:18:27: Hast du gerade wieder gesagt?

00:18:28: Naja, mit der Menschwerdung Gottes ist sehr deutlich geworden, dass diese Welt eine Perspektive hat, trotz aller Todesmächte.

00:18:37: Dass es jenseits der Todesmächte eine Verheißung an diese Welt gibt, die sich in der Menschwerdung Gottes zum Ausdruck bringt.

00:18:44: Das hatten wir ja schon, dass eben mit der Menschwerdung Gottes eben dieser Mensch, der auch Gott war, gestorben ist.

00:18:53: Und dann aber den Tod überwunden hat.

00:18:56: Und dass diese Bindung Gottes an den Menschen, an menschliche Verhältnisse, auch die menschlichen Welten und auch die Verhältnisse der Welt verändert haben.

00:19:05: Das ist halt eben die zentrale Aussage.

00:19:09: Und das ist, meiner Ansicht nach, von allergrößter Bedeutung für die Interpretation dieser Welt.

00:19:18: Wir haben ja schon mal über Auferstehung und Tod geredet und dergleichen mehr.

00:19:22: Das brauchen wir jetzt nicht wiederholen an dieser Stelle.

00:19:26: Aber es hängt für mich daran, also das heißt die Geburt ist ja nicht einfach ein Faktum an sich und dann erklärt sich daraus vieles, sondern die Geburt ist der Beginn des Lebens Jesu, das eben auch geendet hat, am Kreuz.

00:19:42: Und man muss diese gesamte Geschichte hinzunehmen und diese gesamte Geschichte schafft halt eben einen Zusammenhang, der eben die Welt unter einem anderen Blickwinkel sehen lässt.

00:19:54: Und das ist mir durchaus sehr wichtig.

00:19:56: Ja, na ja, gut.

00:19:58: Also ich sehe halt diesen anderen Blickwinkel nicht.

00:20:00: Ich würde sagen, die Evolution geht weiter und die Evolution ist offen mit und ohne Jesus.

00:20:08: Und ja, wie geht es denn weiter mit Weihnachten?

00:20:13: Das ist vielleicht auch noch mal eine interessante Frage gesellschaftlich betrachtet.

00:20:17: Wir haben ja eine recht plurale Gesellschaft.

00:20:22: bindet viele ganz offensichtlich mit unterschiedlicher Begründung, wie man an uns merkt.

00:20:29: Aber ist denn nicht vieles, na ja, was aus dem Christentum kommt und was aber auch kommerziell dann ausgeschlachtet wird, ist das nicht ehrlich gesagt sehr oberflächlich geworden.

00:20:41: Also wir reden jetzt darüber, wie wir das fest verstehen, wie wir es begründen für uns und andere.

00:20:48: Aber... ist es nicht so, dass sich viele Menschen diese Fragen gar nicht mehr stellen.

00:20:53: Und dass das, was man an Weihnachten und in der Vorweihnachtszeit erlebt, eigentlich vollklohre ist.

00:21:00: Also das wäre vielleicht noch mal eine Frage an den Theologen.

00:21:03: Glaubst du wirklich, es geht da um die Heilsgeschichte Jesu?

00:21:06: Damit kannst du ja das ganze Kirchenjahr begründen letztlich.

00:21:09: So ist es ja auch begründeteologisch.

00:21:11: Aber ich meine, beschäftigt das die Menschen eigentlich noch?

00:21:14: ist es nicht einfach eine anrührende Erinnerung an die eigene Kindheit und man möchte halt irgendwie den Geruch und die Plätzchen und so weiter haben und bestimmte Lieder hören.

00:21:24: Und vielleicht geht man dann auch mal in ein Gottesdienst, aber nicht, weil man plötzlich am vierundzwanzigsten seinen Glauben entdeckt, sondern weil das eine Gewohnheit ist, weil man da andere Menschen trifft, weil es familiegeschichtlich dazugehört, ist es nicht eigentlich nur noch Volklore.

00:21:39: So, jetzt klingst du wie viele Fahrerinnen und Fahrer in den letzten fünfzig Jahren, die am vierundzwanzigsten auf der Kanzel standen und sagten, liebe Gewohnheitschristen, kommt auch zu anderen Tagen, das ist hier nur alles voll gelogen.

00:21:51: Ja, du hast genau diese Kritik aufgenommen.

00:21:56: Ich bin da nicht so ganz sicher.

00:21:58: Ja, zunächst einmal, wie viele andere christliche Traditionen steht das in Frage?

00:22:04: und ob Diese Gehalte, die ich für wichtig halte, die ich gerade zum Ausdruck gebracht habe, ob die durchhalten und das auch künftig, die es Weihnachtsfest mit Beeinflussen bestimmen wird, weiß ich nicht.

00:22:21: Ich meine, es finden Gottesdienste statt und Gottesdienste beginnen halt bitte anrufen Gottes und sie haben auch immer ein Gebet und sie enden mit einem Segen.

00:22:32: Also von daher bin ich Da auch ganz gut in Mut ist, dass da immer auch noch diese Beziehung bleibt.

00:22:40: Es ist ein Familienfest.

00:22:42: Familie ist nichts Priviles.

00:22:44: Das hat auch mit unserer Geburtlichkeit zu tun und die Geburt zu feiern und sich auch an unsere eigene Verletzlichkeit zu erinnern, ist jetzt über den engeren christlichen Aussage hinaus wichtig.

00:22:58: Aber es ist eben auch Teil des christlichen Aussagehalts.

00:23:01: Und das finde ich besonders... herausragend, zum Beispiel so etwas, dass wir im Christentum und die Zeitrechnung mit der Geburt beginnen.

00:23:14: Das finde ich, das hat etwas sehr Abgründiges, also im Sinne von sehr Tiefes, sehr schwer zugreifendes.

00:23:22: Wir rechnen die Zeit der Menschen und der Menschheit allen Ernstes nach einem Geburtsdatum.

00:23:31: Ja, man könnte sagen, man kann es technischer machen, man kann irgendwelche astronomischen Ereignisse zum Anlass nehmen oder wie an anderen Stellen die Gründung einer Stadt oder die, keine Ahnung, vielleicht auch den anderen Krieg.

00:23:48: Also, man kann vieles zum Anlass nehmen, zu zählen, aber wird mit einer Geburt.

00:23:53: Das finde ich hat eine sehr, sehr große Bedeutung.

00:23:57: Also, ich bin natürlich als Christian auch sehr darauf aus, eben diese besonderen Bedeutung der Geburt Jesu als Sohn Gottes zu bezeichnen, aber darüber hinaus die Familienbedeutung, die Geburtsbedeutung, die sind auch darüber hinaus ausstrahlend und ich hoffe sehr, dass es bleibt.

00:24:21: Ja, also selbstverständlich ist die Geburt für den Menschen Im wahrsten Sinne des Wortes existenziell.

00:24:29: Das ist klar.

00:24:31: Und das ist eine allgemein menschliche Erfahrung, nicht nur im reflektierenden eigenen Geburt, an dem man ja keine Erinnerung hat, sondern jeweils auch für Eltern und für Verwandte und so weiter.

00:24:40: Natürlich ist das ein Einschneiden des Lebensereignis für jede menschliche Gemeinschaft, wenn ein neues individuelles Leben entsteht.

00:24:48: Aber du bringst das natürlich immer gleich mit Jesus in Verbindung, der für dich Jesus Christus ist.

00:24:55: Das ist bei mir eben nicht so.

00:24:58: Ich wünsche mir zu Weihnachten eine Atmosphäre der Feierlichkeit, die das Gemüt anspricht, ohne den Verstand zu kränken.

00:25:09: Und da möchte ich eben keine schlecht begründeten Heilserwartungen und Glaubensaussagen.

00:25:20: Ich möchte aber, das hast du jetzt nicht getan, aber das hört man manchmal von kämpferischem Gläubigen.

00:25:25: Ich würde gerne eine Sache zurückweisen, nämlich nur weil man das nicht glaubt, hätte man keinen Grund oder keinen Anlass zu feiern.

00:25:34: Ja, also darauf wollte ich in unserem Gespräch auch heute hinweisen, dass Anlässe zu feiern typisch menschlich sind, um den Alltagstrott zu unterbrechen.

00:25:43: Das haben Menschen immer getan in allen Kulturen.

00:25:48: Eine christliche Dominanz würde nicht funktionieren, die sagen würde, ihr feiert jetzt nach unserem Ritus, unseren Anlass oder ihr habt kein Recht an der Stelle zu feiern, ihr müsst den Feiertag aufgeben.

00:25:58: So ist es nicht.

00:26:00: Es kann andere Begründungen und andere Anlässe geben, die einen dann auf einer atmosphärischen Ebene dennoch verbinden.

00:26:07: Und vielleicht können wir uns dann wie so oft bei unseren Gesprächen doch auf einer Metaebene verständigen, obwohl wir auf der Sachebene die Dinge unterschiedlich einordnen.

00:26:20: Die ist angebot nämlich gerne an.

00:26:22: Ja, es ist wichtig, also die Tatsache, dass viele Menschen miteinander diese Zeit feiern, dass auch die Stille, die Familie, der soziale Bezug eine große Rolle spielt, auch karitatives Elemente, dass man Kranke, Arme, Einsamme besucht.

00:26:39: All das wirst du nicht ablehnen.

00:26:40: Genau, ich auch nicht.

00:26:42: Und für mich auch Folge des christlichen Verschändes von Weihnachten.

00:26:47: Aber genau, da sind wir dann unterschiedlicher Meinung.

00:26:50: Wir werden das auch nicht natürlich nicht lösen.

00:26:52: Wir haben uns aber ausgetauscht.

00:26:53: Unsere Interpretation genannt.

00:26:56: Und da mögen ja die, die diesem Gespräch folgen, sich ihr eigenes Fazit ziehen.

00:27:04: Auf jeden Fall ist uns beiden deutlich, dass es eigentlich unwichtige Zeit ist.

00:27:09: Ja, das ist auf jeden Fall wahr.

00:27:11: Ich wünsche allen ein besinnliches Lichtfest und fröhliche Weihnachten.

00:27:16: Ich schließe mich sehr gerne an.

00:27:18: Frohes Weihnachtsfest.

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