Ludwig Feuerbach: Das Wesen des Christentums
Shownotes
Der Humanist Helmut Fink und der Theologe Frank Vogelsang diskutieren über berühmte Veröffentlichungen, die zu der Frage von Religion, dem Christentum insbesondere, kritisch oder bejahend Stellung bezogen haben. Ein besonders wirkmächtiges Buch, das die Religionskritik in Deutschland maßgeblich geprägt hat, war das Buch "Das Wesen des Christentums" von Ludwig Feuerbach. Das Buch ist 1841 erschienen, seine Thesen aber sind nach wie vor aktuell. Seine zentrale These ist, dass die christliche Religion nichts anderes sei, als die Projektion menschlicher Eigenschaften und Sehnsüchte in einen imaginären Himmel. Das Wesen der Theologie ist Anthropologie.
Der Humanist Helmut Fink ( https://kortizes.de/akademie/)) und der Theologe Frank Vogelsang (https://ev-akademie-rheinland.ekir.de/start/home/)) diskutieren kontrovers zu Grundfragen der menschlichen Existenz. So zum Beispiel "Braucht der Mensch einen Glauben?", "Gibt es ein Leben nach dem Tod" oder auch "Widerlegt das Leid der Welt die Existenz Gottes?".
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00:00:00: Doppelblick,
00:00:01: Streitfragen aus christlicher und humanistischer Perspektive.
00:00:08: Es diskutieren der
00:00:09: Physiker Helmut
00:00:10: Fink und der Theologe Frank Vogelsang.
00:00:16: Hallo Helmut!
00:00:18: Hallo Frank!
00:00:20: Helmut wir haben uns vereinbart dass wir jetzt in den folgenden Aufnahmen Bücher die besonders wichtig sind die wir für besonders wichtig halten die Diskussion zugrunde legen wollen.
00:00:30: Welches Buch hast du mitgebracht?
00:00:33: Ja, ich habe ein Buch von Ludwig Feuerbach mitgebracht.
00:00:36: Das Wesen des Christentums.
00:00:39: Das ist achtzehnhundertvierzig erschienen.
00:00:41: Ludwig Feuerbach ist als Religionskritiker bekannt geworden.
00:00:45: das Buch war ungeheuer einflussreich im neunzehnten Jahrhundert aber auch darüber hinaus.
00:00:50: Es ist also nicht nur aus der damaligen Zeit heraus zu verstehen sondern es enthält Grundgedanken die glaube ich bis in die Gegenwart höchst relevant bleiben.
00:01:00: Ich möchte vielleicht das Denken von Ludwig Feuerbach in drei knappe Sätze zusammenfassen, wie sie – also zwei davon stehen auch auf dem Ludwig-Feuerbach-Denkmal in Nürnberg.
00:01:12: Nämlich der Mensch schuf Gott nach seinem Bild und tue das Gute um das Menschen
00:01:19: willen.".
00:01:20: Damit wird ein ethischer Anspruch formuliert und man kann sich dazudenken, man sollte es gut nicht um Gottes Willen tun sondern eben um das.
00:01:29: Und ein dritter Satz, der noch dazukommen sollte von Ludwig Feuerbach lautet das Geheimnis der Theologie ist die Anthropologie.
00:01:38: Also der Grundgedanke, der in diesem Buch ausformuliert wird, wird häufig als die sogenannte Projektionsthese bezeichnet nämlich Der Mensch ist in seinen Fähigkeiten begrenzt aber in seinen Wünschen und Bedürfnissen unbegrenzt.
00:01:53: Er merkt, dass das alles auf der Welt irgendwie schwierig ist und projiziert dann seine unendlichen Wünsche und Bedörfnisse gleichsam an den Himmel und fasst sie zusammen in einem göttlichen Übervater, der insofern eine illusionäre Figur ist.
00:02:12: Der Witz beim Feuerbachischen Denken ist dann, dass wir quasi die Rückprojektion vornehmen sollen, dass das eine Projektion ist und dann auf die menschlichen Verhältnisse zurückgeworfen sind.
00:02:24: Er hat also abstrakte, blutleere Versprechungen der Theologie abgelehnt und hat eben gesagt es geht um das Wesen des Menschen.
00:02:33: deswegen das Geheimnis der Theologie ist die Anthropologie.
00:02:36: Das was uns ausmacht steckt eigentlich dahinter Und das können wir sozusagen wieder herausfiltern Wieder dekodieren Aus den religiösen Aussagen.
00:02:45: Feuerbach sagt an einer Stelle Nicht Gott ist die Liebe, sondern die Liebe ist göttlich.
00:02:52: Also du verstehst sozusagen das Überhöhte steckt in uns drin und damit es auch gesagt dass das nachvollziehbar ist, dass das seine Funktion hat.
00:03:04: Es ist also nicht eine Religionskritik, die einfach die religiöse Botschaft für falsch und dumm usw.
00:03:11: hält, sondern sie dem Nachspüren will und die dem eine Funktion zuschreibt, die man eben erkennen und durchschauen kann.
00:03:19: Darum geht es in diesem Buch.
00:03:21: Ja vielen Dank!
00:03:23: Natürlich wusste ich davon dass du das Buch jetzt nur vorstellen würdest.
00:03:27: deswegen habe ich mich natürlich auch meinerseits vorbereitet.
00:03:31: Ich finde ich möchte gerne einsteigen bei einem Punkt den du jetzt zum Schluss genannt hast.
00:03:37: Es geht tatsächlich nicht um eine einfache banale Kritik und Abwendung von der Religion, sondern Feuerbach möchte gerne die wahren Gehalte von den falschen Illusionen trennen.
00:03:49: So nennt er es.
00:03:50: Und die waren Gehalten sind eben anthropologische.
00:03:54: In der Religion wird viel Wahres gesagt aber nicht dadurch dass man's auf Gott bezieht, sondern man soll das auf dem Menschen beziehen.
00:04:01: An einer Stelle sagt ein Feuerbach, Verneinen des Verhältnisses zur Religion hat, sondern ein kritisches.
00:04:08: Und das finde ich zunächst mal gut und ich sage mal auch als Theologe kann man daraus viel lernen.
00:04:17: Ein Grundelement für mich um da jetzt sich theologisch zu nähern ist dass Bilderverbot unter den zehn geboten.
00:04:27: Das zweite Gebot soll es ja kein Bildnis machen.
00:04:30: Menschen neigen dazu wenn sie von Gott reden sich ein bild zu machen vom gott und ihnen damit irgendwie festlegen zu wollen.
00:04:38: Und was nun Feuerbach deutlich zeigt ist, dass da eine Identifizierung so schnell passieren kann.
00:04:45: Dass man tatsächlich etwas projiziert, etwas auf Gott überträgt und dann meint die besseren Karten im Leben zu haben oder auch der Welt weil man eben diesen Gott an seiner Seite hat, der aber nur Projektion ist.
00:04:59: Man darf sich kein Bild von Gott machen!
00:05:04: Dadurch aus berühmter Theologis fand es ein Jahrhundertskalwart, hat man in seiner frühen Zeit gesagt, dass der Mensch von Gott reden soll.
00:05:14: Aber als Mensch nicht von Gott reden kann.
00:05:19: Damit ist auch eine Kritik eingetragen ganz ähnlich wie bei Feuerbach aber aus theologischer Perspektive.
00:05:25: das heißt Eine leichtfertige Rede vom Gott sollte man immer wehren und da ist erstmal Feuerbach vorkommen recht zu geben.
00:05:33: Ob man die Konsequenz daraus ziehen muss, dass es... ...dass man dann nicht von Gott reden kann oder das es besser wäre allein vor Menschen zu reden.
00:05:42: Das würde ich stark infrage stellen!
00:05:44: Aber die Aussage, dass die Rede von Gott zunächst mal nie leichtfertig identifikatorisch vereinnahmen sein darf?
00:05:53: Ich glaube, das ist sowohl eine alte Tradition aber amitischer Theologie gilt auch für das Judentum und noch für den Islam, aber eben auch fürs Christentum.
00:06:05: Dass nämlich Gott immer größer ist als was wir denken.
00:06:08: Und das andere ist eben dass wir sehr vorsichtig sein sollten es zu identifizieren.
00:06:12: also von daher finde ich erstmal einen positiven Zugang zu dem aus Feuerbach gesagt hat
00:06:19: Ja, also tatsächlich Karl Barth hat sich mit Ludwig Feuerbach beschäftigt und hat ihm dann allerdings in der Entbewertung einen Platten Materialismus vorgeworfen.
00:06:27: Das wird Feuerbach nicht gerecht denn es geht tatsächlich um das Wesen des Menschen.
00:06:32: Nun ist es eigentlich seit Feuerbachtszeiten so dass Theologen es schaffen sozusagen seinen Beitrag wie eine teilweise berechtigte innertheologische Kritik zu verstehen Also ihn sozusagen teilweise akzeptieren, ihm ein Stück entgegenkommen durchaus mit selbstkritischen Tönen in Bezug auf die Religion wie du das ja auch gerade formuliert hast.
00:07:00: Aber am Ende eben nicht mitgehen bei der atheistischen Konsequenz letztlich schlüssig aus Feuerbachs Denken folgt, obwohl er selber gesagt hat wer von ihm nur weiß dass er Arte ist Zeit.
00:07:14: Er weiß so viel wie nichts.
00:07:15: also er wollte sich darauf keinesfalls reduzieren lassen was eben mit seinem Anspruch zu tun hat das Wesen des Menschen zu durchschauen.
00:07:22: er hat da übrigens die Liebe sehr betont Die aus dem unmittelbaren Verhältnis von ich und du kommt.
00:07:29: Das ist auch ein wichtiger Teil der Feuerbachschendphilosophie, die er dann später noch ausformuliert hat.
00:07:34: Und das war für ihn auch der Ansatzpunkt und die Grundlage für Ethik, dass die Menschen nämlich kooperationsfähig sind.
00:07:41: aber alles bei ihm gerahmt durch die Aussage, dass man dazu eben keinen Gott braucht.
00:07:45: Es kommt nicht von oben sondern es kommt aus den menschlichen Fähigkeiten und Bedürfnissen.
00:07:50: Wir wollen miteinander umgehen und er hat das durchaus auch sinnlich verstanden.
00:07:55: also er war sehr naturnah und hat sozusagen auch die sinnliche Liebe betont.
00:08:01: Insofern ist er in dieser Hinsicht nicht auf Atheismus oder Materialismus zu reduzieren.
00:08:11: Also ich würde sagen, du kannst auch im Bezug auf das Menschenbild vielleicht dem Feuerbach noch weiteres entnehmen.
00:08:19: D'accord!
00:08:21: Das klang ja schon öfter an.
00:08:24: Ich bin sehr stark beeinflusst durch so eine Phänomenologische Leibtheorie, also was heißt das?
00:08:30: Das ist im Unum die Erkenntnis.
00:08:32: Was auch immer wir von uns und der Welt und auch von Gott sagen Wir immer füglich beziehen sollten auf unsere leibliche Existenz.
00:08:39: Es sind ähnliche Wesen.
00:08:40: Wir wiegen so viel Kilogramm Bestehen aus Neuronen und Kohlenstoffverbindungen Und das ist eine relativ nüchterne Geschichte.
00:08:50: Und doch sind wir zu höhere Berufen und trotz doch haben wir Fähigkeiten unsere jetzt rein materielle Existenz hinausgehen und auch da würde ich vor allem ganz zustimmen.
00:09:02: Wichtig ist nur eben, es immer wieder auf diese materielle existenz zu beziehen weil wir sonst ganz schnell dazu neigen uns zu überheben also eine ideologie zu entwickeln irgendein weltbild das wir meinen ableiten zu können dass aber in keiner weise realitätsgebundenes also nüchtern bleiben und das gilt insbesondere auch für die theologie.
00:09:24: Meine Sache wäre nur, die auch jenseits eines Plattenmaterialismus, den ich auch bei Feuerbach so nicht sehe.
00:09:34: Die Vorstellung man könne das Wesen des Menschen ergründen halte ich für ambitioniert.
00:09:43: Ich glaube dass wir Menschen uns immer ein Rätsel sind und ich sehe die Rede von Gott auch als eine Fähigkeit mit diesen Abgründen und Rätseln des Menschen umzugehen.
00:09:58: Das heißt, nicht sie zu lösen aber eben zu erkennen das nicht alles was wir an Fragen haben aus dem Wesen des Menschen abgeleitet werden kann.
00:10:09: Da bleiben noch offene Fragen und diese offenen Fragen kann die Rede von Gott mit aufnehmen.
00:10:18: Wie gesagt, immerhin ist hervorsicht, dass sie nicht eine Antwort ist und man sie nicht vereinnahmen kann.
00:10:22: Aber es gibt noch mehr als das was wir vom Wesen des Menschen erkennen können.
00:10:28: Naja da gibt's bei Feuerbach noch einen kritischen Dreh nämlich wenn man das gute und erstrebenswerte alles auf Gott projiziert bzw.
00:10:38: Gott zuschiebt Dann macht man den Menschen selber schlecht, denn für den Menschen bleibt dann eben nur sozusagen das Bild des Sünders und des Begrenzten und des Abhängigen usw.
00:10:48: übrig.
00:10:49: Und dagegen wollte Feuerbach eben angehen.
00:10:51: also wir sind als Naturwesen Wir haben sehr wohl auch Fähigkeiten und wir sollten unsere Möglichkeiten nicht schlecht machen und uns immer nur glauben dass alles von einer Gottheit gestiftet wird Natur bedingt, die Dinge auch in uns finden.
00:11:09: Und dabei gibt es allerdings eine Formulierung an einer Stelle mal bei Feuerbach, die auch glaube ich Missverständnisse ausgelöst hat.
00:11:16: Nämlich er hat gegen das negative Menschenbild Homo homini lupus der Mensch ist den Menschen ein Wolf Mal an einer stelle plakativ gesetzt Homo Hominideos Der mensch is dem Menschen ein Gott.
00:11:29: und naja Das würde ich sagen war ein bisschen so der Überschwang des neunzehnten Jahrhunderts.
00:11:34: Was aber dann von theologischer Seite die Kritik ausgelöst hat, dass gewissermaßen eine Selbstvergottung des Menschen und ein völliges Überschätzen unserer Möglichkeiten.
00:11:43: Und was weiß ich?
00:11:44: Allmachtsfantasien damit verbunden sein.
00:11:46: So ist es bei Feuerbach nicht gemeint sondern er wollte einfach ein positives, ein humanistisches Menschenbild verbreiten das nicht dadurch ausgedünnt und entleert wird, dass man sozusagen immer alles nur auf Gott bezieht.
00:11:58: Das war seinen Punkt.
00:12:00: Okay Ja, Humo hominis lupus est ist ja bekanntermaßen auch kein theologischer Aussage.
00:12:07: Sondern eine philosophische der frühen Neuzeit.
00:12:10: und ich würde mal sagen dass wenn man das als deklaratorisch bezeichnet also festlegen dann ist es natürlich falsch aber der Mensch kann den Menschen ein Wolf sein.
00:12:24: Also das sollte man auch nicht unterschätzen.
00:12:27: Ich glaube es gibt ganz schnell gute Gründe heute schaut, um festzustellen dass das mit den Menschen bei weitem nicht nur was Heeres, Helles und Gutes ist sondern dass da jede Menge Abgründe verborgen sind.
00:12:43: Und eben auch damit muss man umgehen aus philosophischer wie ja auch aus theologischer Sicht.
00:12:50: Ich denke nur, dass dieser Zugang den Feuerbach gewählt hat, dass der durchaus theologisch fruchtbar sein kann.
00:12:57: zum einen negativ weil Man sich davor hütet im Sinne des Bilderverbots, zu schnell von Gott meinen zu wissen was man von Gott sagen kann.
00:13:07: Wir sind Menschen und bleiben Menschen und wir können nicht tatsächlich so von Gott reden dass es verständlich ist sondern wir müssen immer um Kreisen haben Erzählungen haben Hilfestellung in Bildern Das das ein und das andere ist.
00:13:22: aber ich denke von Feuerbach man sich distanzieren sollte wenn Darum geht dann alles auf den Menschen zu beziehen, weil der Mensch ist mir auch zu abgründig.
00:13:33: Also das ist jetzt nicht so dass ich sagen könnte naja, der Mensch, dann haben wir das Serie Ideal, der Aufklärung und dann wird ja alles gut.
00:13:41: Das ist bei mitnichten so.
00:13:43: Und von daher, also sag' ich mal theologisch Ist es für mich sehr heilsam Dass sich sozusagen immer Gott auch als Kritikort, also als Perspektive eine kritische Perspektiv auf dem Menschen sehe Der Mensch für sich genommen, das ist eine sehr ambivalente Geschichte mit viel Leid.
00:14:05: Dass er sich selbst zufügt und Gott als Kritikpunkt, der Gerechtigkeit einfordert, der auch für eine umfassende Liebe steht finde ich einen heilsamen Punkt um uns Menschen noch mal zur Rechenschaft zu ziehen.
00:14:25: Ja, also Feuerbach war in seiner Zeit durchaus Herrschaftskritisch.
00:14:29: Das war ja die Zeit des Vormärts vor eighteenhundertachtundvierzig und da gab es ja noch Fürsten und Könige und so und Feuerbach hat republikanisch gedacht und das hat auch eine emanzipatorische Note her.
00:14:40: Also er wollte dass eben dem Menschen ihre Fähigkeiten auch entwickeln können und sicher Es kann sein, dass er vom Ideal der Liebe ausgehend vielleicht an manchen Stellen ein etwas zu optimistisches Menschenbild hatte.
00:14:55: Das wäre möglich, aber das war damals eben auch mit einer positiven Zukunftshoffnung und mit einer aufklärerischen Richtung verbunden.
00:15:04: Feuerbach hat auch die Paulskirchenversammlung in den letzten Jahren besucht, hat sich das angeschaut, ist aber nicht in die Politik gegangen.
00:15:11: Er ist Philosoph geblieben und hat seine Thesen dann weiter ausformuliert.
00:15:19: Ich meine, was bleibt uns als Menschen den Anderes übrig?
00:15:21: Als unsere Fähigkeiten in der Erziehung zu trainieren und im Leben auszuprobieren.
00:15:31: Und dabei das Beste zu versuchen!
00:15:32: Also ich meine nicht bitte dich, die Theologie kann doch auch nichts anderes anbieten
00:15:36: oder?!
00:15:37: Nein!
00:15:38: Für Richter Korn sie kann nichts anders anbieten.
00:15:40: Sie können aber das Fenster aufrechterhalten dass das nicht sein sollte.
00:15:46: Man könnte dann sagen, im Platter-Realismus ist halt so, ändert sich nicht.
00:15:51: So sind sie die Menschen.
00:15:52: Punkt!
00:15:53: Naja und dann ist man ganz schnell mit einer kleinen Wendung beim Zynismus und sagt naja is halt so.
00:16:00: Brauch ich mich nie aufregen?
00:16:02: Muss ich auch nicht gegen angehen?
00:16:03: Ich wusste doch schon gleich dass das nicht gut geht oder sowas Und das glaube ich wäre fatal.
00:16:10: Also diese Perspektive aufrecht zu halten.
00:16:14: Es gibt noch eine Sehnsucht nach einer Welt, und die ist nicht einfach illusorisch zu sagen.
00:16:19: Es gibt eine Möglichkeit, dass Menschen in Gerechtigkeit, Frieden und Liebe miteinander umgehen, also das ein unauffgebbarer Ansporn.
00:16:31: Und der wiederum den würde ich ableiten aus Gottes Verheißung und auch aus Gottes Zusage.
00:16:39: Die kann ich nicht reklamieren.
00:16:41: Die ist auch keine Lösung für was?
00:16:44: Ich sage jetzt nur, wir sind ja heute am zwölften November.
00:16:49: Wenn wir diese Aufnahme machen ist vor zwei Tagen die Friedensdenkschrift der EKD erschienen.
00:16:54: Die hat auch keine wirklich gute Lösung für die Probleme dieser Welt.
00:17:01: Was man aber machen kann aus geologischer Perspektive ist aufrechterhalten diesen Stachel... Es sollte möglich sein, eine Welt in der all dieses Leid eben nicht ist.
00:17:12: Vor allem das Leid, dass menschlich selbst zu spügen und das kann manchmal unermesslich sein im Krieg Russland gegen die Ukraine und anderen Dingen mehr.
00:17:21: Und daher ist es, meine Ansicht nach ein bleibender Stacheln und ich würde das auf Gott zurückführen seine Verheißung auch seinen Anspruch an uns.
00:17:31: Ja also lasst mich den Feuerbach nochmal in zweifacher Hinsicht einordnen Für die Gefahr des Zynismus kann man ihn definitiv nicht in Anspruch nehmen.
00:17:39: Das kommt in seinem Werk nicht vor und das hat auch damit zu tun... dass er von Hegel geprägt war.
00:17:46: Also seine persönliche Geschichte ist ja die, das er zunächst zwei Semester Theologie studiert hat.
00:17:51: Das trägt glaube ich dazu bei, dass er auch von Theologen immer wahrgenommen wurde und dann wurde ihm das aber zu enges, hat ihn nicht eingeleuchtet.
00:17:59: Er wollte zur Philosophie, er ging nach Berlin, er hatte Vorlesungen in Hegels gehört.
00:18:03: Und bei Hegel geht es ja immer darum, dass der Geist sich sozusagen verwirklicht und Dass man eine Geschichtsphilosophie hat, dass in der Geschichte eben die Dinge zu sich selbst kommen.
00:18:15: Und das hat mit einem Fortschrittsdenken zu tun.
00:18:18: und man könnte jetzt meinen Feuerbach hätte dann auch gedacht, dass die Dinge von selbst besser werden.
00:18:23: Das hatte er aber nicht denn er hat sich nach einigen Jahren recht markant von Hegel abgewandt weil ihm das alles zu geistartig und so abstrakt war und hat dann eben auf die Natur gesetzt und auf unsere natürlichen Bedingungen auch auf unsere naturliche Einbindung und Abhängigkeit von Naturforgängen.
00:18:40: also das mal zum einen Und zum anderen möchte ich noch sagen Feuerbach ist später vereinnahmt worden und ich denke davon muss man ihn befreien vom Marxismus.
00:18:52: Denn tatsächlich hatte Feuerbach mal Kontakt zum jungen Marx.
00:18:56: Und es war etwa in der DDR-Philosophie so und auch in der Sowjetunion, da kannte man Feuerbach immer mindestens dem Namen nach... ...und hat dann gemeint Najate ist im Rahmen einer bürgerlichen Philosophie sozusagen auf halben Wege stehen geblieben, denn mit seiner Religionskritik hatte er schon recht.
00:19:12: aber wenn's wirklich um menschliche Fortschritte geht dann muss man eben die politischen Verhältnisse ändern, da muss man die ökonomischen Abhängigkeiten in den Blick nehmen und das hat eben erst Marx getan.
00:19:22: So!
00:19:22: Und das führt natürlich dazu dass im Rückblick auch in der Zeit des Kalten Krieges in den Sechziger-Siebziger-, Achtzigerjahren dann viele wahrscheinlich Feuerbach intuitiv abgelehnt haben weil sie ihn sozusagen als Vorstufe des Marxismus wahrgenommen hatten.
00:19:38: Das ist aber eine Vereinahmung.
00:19:39: also ich würde sagen das Feuerbachsche Denken sollte man von dieser späteren Zuschreibung des Marxismus befreien.
00:19:49: Er hat für sich selbst gedacht, er hat ein eigenes Werk hinterlassen mit eigenen Schwerpunkten die für sich stehen können und die man nicht sozusagen in so eine Art von Geschichtserwartungen einbetten muss.
00:20:01: Dazu zwei Bemerkungen.
00:20:03: Dieser Vorwurf des Tünismus rettete sich jetzt nicht gegen Feuerbach, sondern ging eine Vorstellung, dass man eben die menschlichen Verhältnisse aus sich selbst begründen könne und damit auch genug habe.
00:20:13: Bei Feuerbach ist in der Tat immer auch zu spüren also er spricht ja dann von Gattungswesen.
00:20:19: In dieser Weise könnte man sagen projiziert Feuerbach nicht auf Gott, aber auch ein Gattungswesen.
00:20:24: Das ist ja auch nicht so leicht zu finden.
00:20:28: Wo hockt dieses Gattungswesen?
00:20:30: Also da stecken natürlich noch die Vernunft irgendwie mit Eierschalen drin, die auch von Hegel her stammt.
00:20:36: also es irgendwie gibt's da etwas was ja universal wird und das Ware mit sich bringt.
00:20:45: Gut, da könnte man erhebliche Fragen stellen und dann in Bezug zu Marx.
00:20:49: Ja die Interpretation mag so gewesen sein ich würde eine Nähe zu Marx jetzt aber nicht so negativ nur sehen.
00:20:57: Marx hat ja auch eine Menge positive Elemente in die Philosophie eingetragen unter anderem die elfte Feuerbach-These.
00:21:04: es geht nicht nur darum die Welt zu interpretieren sondern sie zu verändern finde ich zunächst mal Ein wichtiger Punkt, dass Philosophie nicht nur darin bestehen kann nachzudenken und zu betrachten.
00:21:16: Sondern auch wahrzunehmen, dass man mit Philosophischer Tätigkeit Weltfeindungen vornehmen kann ist erst mal eine für mich gute Grundlage und wird das auf die Theologie übertragen.
00:21:28: Auch eine theologische Positionierung kann im besten Fall es hier zum Beispiel Theologie der Befreiung oder so kann auch soziale Prozesse auslösen und kann dann auch zu einer Verbesserung von Verhältnissen beitragen.
00:21:43: Auch zu einer Verschlechterung, das will ich nicht verheimlichen natürlich!
00:21:46: Es gibt philosophische Positionen die zu Verschlächterungen beigetragen haben.
00:21:50: es gibt Geologische die zu verschlächterungen beigetragen haben.
00:21:53: also man ist nie davor gefeiert aber Verbesserungen ist möglich ja.
00:21:57: also ich finde wie gesagt an Feuerbach spannend dass er so einen Humanismus zu erreichen versucht.
00:22:07: Ich finde spannend, dass er nicht platt die Religion ablehnt.
00:22:11: So wie französische Aufklärer, die gesagt haben das von gestern, das muss weg!
00:22:15: Wir haben jetzt was besseres.
00:22:16: Dann der gesagt hat ja in der Religion steckt etwas ist was aufgehoben Was wir wieder anders beschreiben sollten und entdecken können.
00:22:27: ich finde eben natürlich aus theologischer Perspektive schwierig Dass er meint damit Gott den Bezug auf Gott ab lehnen oder abtun zu können, das würde ich mal sagen ist nichts schlüssig.
00:22:42: Aber also seine kritische selbstkritischen Bezug auf den Menschen, das finde ich eine spannende Perspektive die auch der Theologie gut tut.
00:22:50: und da sehe ich mich halt durchaus durch aus der Tradition dieser großen Theologen wie Carl Barty dass sie ja auch getan haben
00:22:58: Ja Das Feuerbachsche Buch hat viele Auflagen erlebt und es wurde dann ein Klassiker insbesondere in freireligüsen und später auch freigeistigen Kreisen, klarerweise.
00:23:11: Und ich denke, es kann heute noch Anlass sein kritisch zu bleiben gegenüber Versprechungen der Religion – ich will's nochmal an einem Punkt konkretisieren – der Auferstehungstlaube also Mit dem Tod ist ja angeblich, nach religiöser Verkündigung ist mit dem Tod ja angieblich nicht alles aus.
00:23:33: Da würde Feuerbach sagen na klassische Projektion natürlich.
00:23:36: also der Mensch freut sich des Lebens er möchte mehr Dinge erleben und verstehen Er möchte nicht dass es zu Ende geht.
00:23:43: das ist ein ganz zentrales existenzielles Wunschdenken Und Das projiziert man an den Himmel und glaubt dann es sei so.
00:23:52: Und ja, wenn man sich aber die natürlichen Bedingungen unseres Körpers und dessen funktionieren und so weiter anschaut.
00:24:00: Dann ist halt mit dem Tod alles aus!
00:24:03: Er hat das durchaus geistreich in seinem frühesten Werk schon eighteenhundertdreißig formuliert – und zwar anonym weil damals nämlich Theologen an der Universität Erlangen durchaus einflussreich waren und es hat ihm am Ende seine akademische Karriere versaut.
00:24:18: Er hat dann keine Professur bekommen, obwohl er ein anerkanter Dozent der Philosophie geschichtebar war.
00:24:23: Weil die Zeit eben nicht reif war dafür dass man dieses zentrale Versprechen des Christentums in Frage stellt und auf psychische Bedingungen des Menschseins zurückführt.
00:24:36: Das bleibt doch ein Stachel.
00:24:38: Ja, d'accord Wir hatten ja schon mal eine Diskussion um die Auferstimmung.
00:24:44: Mir ist immer sehr wichtig, wenn man das thematisiert nicht zu vergessen dass auch wenn wir von dem Tod treten wir von etwas ziemlich unverstandenem Reden.
00:24:53: der Tod also dieser Singular das hatten wir diskutiert verstanden und deswegen ist die Auferstehung als Negierung des Todes.
00:25:03: Deshalb nicht jetzt das plötzliche Rätsel- und Geheimnis, wenn man vorher alles verstanden hätte.
00:25:08: Schon der Tod ist für uns nicht wirklich verstanden.
00:25:11: Und wir beißen uns daran die Zähne aus.
00:25:13: deshalb hört auch die Philosophie nicht auf.
00:25:16: sonst könnte man ja sagen gut die Philosophen haben irgendwann mal erkannt wie die Welt ist unter Mensch und dann hat es einen Benehmen und dann kann man sich anderen Dingen widmen weil sie sind spannender und ertragreicher als die Philosofie.
00:25:28: Aber tatsächlich geht die Philosophie immer weiter.
00:25:29: Und es gibt immer wieder neue philosophische Schulen und neue Versuche, das zu ergründen.
00:25:35: Ich glaube, dass hat auch nicht wenig damit zu tun, dass wir kein wirklich gutes Verhältnis zum Tod entwickeln können.
00:25:40: Was heißt Endlichkeit?
00:25:42: Das ist leicht gesagt aber nicht gut verstanden denn wir können uns unsere Existenz nicht sozusagen außerhalb unserer Existenzen vorstellen oder uns von außen sehen.
00:25:53: Also kurzum!
00:25:54: Dass richtig Aufwärtsstimmung ist Riesiges Problem auch für zeitgenössische Theologie, was man beobachten kann ist ja dass in kirchlichen Kreisen man immer weniger über Auferstehung redet.
00:26:08: Ich halte das für ein Problem.
00:26:09: ich glaube man muss dann auch dazu stehen und durchaus seine geringe Fähigkeit darüber zu reden zum Ausdruck bringen aber deshalb nicht von der Sache lassen weil die man als sie nach wie vor wichtig ist.
00:26:22: Was das heißt?
00:26:23: Was ist jenseits Glaube und dergleichen mehr?
00:26:26: Das hat mir schon, ich bin auch sehr zurückhaltend.
00:26:29: Weil das ist in der Tat dann schnell auch menschliche Projektion.
00:26:32: aber die ... Der Zuspruch dass mit dem Tod nicht alles aufhört, an dem halte ich durchaus sehr deutlich fest.
00:26:41: Ja also Feuerbach hätte gesagt, der Einzelne vergeht, aber er hinterlässt Spuren und äh... Die menschlichen Gattung besteht weiter.
00:26:50: Und das Gattungswesen wirkt eben weiter?
00:26:52: Genau!
00:26:52: Das ist das Gättungswesen.
00:26:54: Na ich sag mal, Gott zwei Strich den Feuerbach da hat.
00:26:58: Ja von dem die Liebe ableidbar ist auch wenn einzelne Individuen ja schlecht sind.
00:27:02: aber der Gast Gattungswesen ist gut und vernünftig und äh das hat also ich mal.
00:27:07: man könnte sagen dass es in der Feuerbarsche Projektion Teil zwei jetzt nicht mehr auf Religion nicht mehr Gott genannt sondern Gattung Wesen.
00:27:14: Ähm Gut kann man darüber diskutieren ähm ähm ja.
00:27:19: also ich glaube wir haben jetzt so einen kleinen Bogen geschlagen.
00:27:25: Ich
00:27:25: finde es zum nächsten Mal, wenn ich es nochmal rekapituliere ganz interessant dass wir in manchen Stellen übereinstimmen an anderen natürlich nicht.
00:27:34: aber das ist halt eben dieses Terrain oder dieses Gebiet gibt das zwischen unseren beiden Positionen liegt auf das wir beide jetzt nicht so den eindeutigen und witzgültigen Zugang haben.
00:27:48: ja also Ich wollte Feuerbach als Klassiker einführen und ich denke, er bleibt spannend wenn gleich sein Stil an manchen Stellen etwas anstrengend ist.
00:27:59: Weil er eben auch durch Hegel geprägt war.
00:28:00: das spielt da mit eine Rolle.
00:28:02: aber die Thesen waren an manche Stellen knackig und haben weitergewirkt.
00:28:06: Und ja wir werden weitere Bücher besprechen.
00:28:09: nächstes mal kannst du eins mit.
00:28:11: Und zum Schluss vielleicht noch gesagt, ich würde auch jeden der aus christlicher theologischer Perspektive auf das Buch raten.
00:28:18: Das Buch auch zu lesen, vielleicht auch nicht hingänzt von Seite eins bis Seite vierhundert irgendwas je nach Ausgabe ist also ein umfangreiches Werk.
00:28:27: aber die Grundthesen finde ich sind auch für Theologische Position durchaus wichtig und ernst zu nehmen.
00:28:34: Ja genau!
00:28:35: Das nächste Mal zu einem anderen Buch.
00:28:36: dann werde ich einen Buch mitbringen.
00:28:39: wir können gespannt sein.
00:28:41: Ich bleibe gespannt.
00:28:43: Vielen Dank für das
00:28:45: Gespräch!
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