Ist Religion eine Sache der Vergangenheit?

Shownotes

Folge 8: Es geht um die Frage, ob Religionen eine Sache der Vergangenheit sind. Es ist unübersehbar: In der westlichen Welt nimmt die Religiosität der Bevölkerungen kontinuierlich ab. Das gilt auch für die USA, die lange einen anderen Pfad einzuschlagen schien als europäische Länder. Aber auch in entwickelten Ländern des fernen Ostens haben Religionen einen immer geringeren Stellenwert. Ist die alte These der Säkularisierung also richtig: Im Verlauf der Moderne verlieren Religionen ihre Bedeutung und ihre Aussagekraft? Sind Religionen alte Weisen der Auseinandersetzung mit menschlichen Problemen, die heute durch neuere, moderne Weisen ersetzt werden können? Oder ist es nicht so, dass es auch heute menschliche Fragen existieren, auf die es keine einfachen Antworten gibt, für deren Beantwortung Religionen nach wie vor wichtige Ressourcen darstellen?

Der Humanist Helmut Fink und der Theologe Frank Vogelsang diskutieren kontrovers zu Grundfragen der menschlichen Existenz. So zum Beispiel "Braucht der Mensch einen Glauben?", "Gibt es ein Leben nach dem Tod" oder auch "Widerlegt das Leid der Welt die Existenz Gottes?".

Das Talkformat "Doppelblick" ist eine Kooperation der Evangelischen Akademie im Rheinland und der Akademie für säkularen Humanismus.

Die Folgen 1–14 wurden im Zeitraum Mai 2024 bis November 2025 bereits auf dem YouTube-Kanal eair-Diskurse als Videos veröffentlicht und sind ab Dezember 2025 auch als Podcast zu hören.

Dr. theol. Frank Vogelsang ist Direktor der Evangelischen Akademie im Rheinland. https://ev-akademie-rheinland.ekir.de/start/home/ Dipl.-Phys. Helmut Fink ist Leiter von Kortizes, der Akademie für säkularen Humanismus. https://kortizes.de/akademie/

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00:00:00: Ich nehme das christliche Gedankengebäude sozusagen als eine Art über Jahrhunderte zusammengefügter Ideologie wahr und auf viele Datlaubensaussagen würden die Leute doch nicht kommen, wenn es ihnen die Kirche nicht einredet.

00:00:15: Und wenn man jetzt den Einflussverlust der Kirchen vor Augen hat, worauf hoffst du dann?

00:00:20: Und da ist meine Aussage, dass tatsächlich die Kirchen sehr stark an Einfluss abgenommen haben, dass ich aber Deswegen der Verweis aufs Christentum und auf die lange Geschichte des Christentums.

00:00:33: Ich bin nicht pessimistisch, sondern denke, das findet das jetzt statt.

00:00:39: Aber das kann sich in einer anderen Richtung entwickeln.

00:00:43: Doppelblick.

00:00:45: Streitfragen aus christlicher und humanistischer Perspektive.

00:00:51: Es diskutieren

00:00:52: der Physiker Helmut

00:00:53: Fink und der Theologe Frank Vogelsanger.

00:01:00: Hallo Helmut.

00:01:01: Hallo Frank.

00:01:02: Helmut, ich habe die Frage mitgebracht, sind Religionen eine Sache der Vergangenheit?

00:01:08: Es gibt immer wieder Diskussionen in unserer Gesellschaft, die doch sehr nahe liegen, dass auch immer Religionen äußern, wo auch immer zu sich Vertreterinnen und Vertreter von Religionen äußern.

00:01:22: Das ist eher eine Stimme aus der Vergangenheit.

00:01:26: Ich vermute mal, du würdest dem sehr zustimmen.

00:01:28: Wie siehst du es?

00:01:30: Ja, danke für die Frage.

00:01:32: In der Tat, ich kann eine kurze und eine lange Antwort geben.

00:01:35: Die kurze Antwort lautet ja.

00:01:37: Und die lange Antwort, wie so oft bei unseren Gesprächsthemen, erfordert Differenzierungen.

00:01:44: Also sind Religionen eine Frage der Vergangenheit?

00:01:50: Wird da nach einer Beschreibung gefragt, sozusagen deskriptiv, oder wird nach einer Bewertung gefragt?

00:01:58: normativ oder preskriptiv.

00:02:00: Also, sollen sie eine Sache der Vergangenheit sein?

00:02:03: Findet man das gut?

00:02:05: Das ist eine andere Frage als die nach der Prognose.

00:02:08: Werden sie denn absterben?

00:02:09: Wie eine Säkularisierungsthese in der Religionssoziologie, das ja behauptet.

00:02:14: Also, das würde ich schon mal dann unterscheiden.

00:02:17: Und die Fragen sind insofern verschieden, als ja aus der Beschreibung der Verhältnisse noch nicht die Bewertung folgt, aus dem sein folgt kein Sollen.

00:02:26: Aber eben auch umgekehrt nicht.

00:02:27: Also wenn man der Meinung ist, es wäre ganz gut, wenn die Religionen absterben als preskriptive Aussage, sie sollen absterben, dann folgt daraus ja noch nicht, dass es so kommen wird.

00:02:38: Also das müsste man sozusagen aufdröseln.

00:02:41: Eine zweite Differenzierung bezieht sich schlicht auf den Religionsbegriff, was ist damit alles gemeint und was ist damit nicht gemeint.

00:02:47: Sind damit gemeint Offenbarungsreligionen, Buchreligionen, Das, was wir als Monotheismus kennen, insbesondere im Christentum, da hat man ja dann doch eine recht präzise Vorstellung.

00:03:00: Und da gibt es auch klare Argumente, das und warum solche Vorstellungen auf dem Rückzug sind.

00:03:05: Oder

00:03:06: ist mit dem Religionsbegriff viel allgemeiner das ausgesagt, was wir vielleicht als Weltanschauung bezeichnen würden.

00:03:12: Nämlich, dass man ethische Maßstäbe hat und die auch reflektiert, dass man ein Menschenbild hat, dass man Sinngefühl im Leben entwickelt und so weiter.

00:03:19: Wenn so ein breiter Religionsbegriff gemeint ist, wo ich sagen würde, Weltanschauung ist dann eigentlich der richtige Begriff.

00:03:27: Dann wäre ich mit dem Absterben vorsichtiger.

00:03:30: Insbesondere im presskriptiven Bereich, dann würde ich mir das gar nicht mehr wünschen, dann wäre ich nicht dafür, dass das zu Ende geht, sondern ethische Maßstäbe, Lebenssinn, das sollen die Menschen natürlich weiterhin haben.

00:03:41: Und eine dritte Differenzierung, wo?

00:03:44: Wo ist es denn eine Sache der Vergangenheit?

00:03:46: Es gibt verschiedene Weltgegenden, es gibt verschiedene Kulturkreise.

00:03:50: Und was in Westmitteleuropa gilt, das muss woanders noch lange nicht gelten.

00:03:54: Ich denke, dass dieser Rückgang an religiöse Bindungen sicherlich in Nahen Osten und in Asien anderen Zeitkonstanten unterliegt und länger braucht.

00:04:03: Und was die westliche Welt angeht, sind die USA, einen Sonderfall und so weiter.

00:04:07: Da müsste man dann auch genauer hinschauen.

00:04:09: Aber wenn wir es fokussieren, Auf das Christentum der Gegenwart in Deutschland, dann würde ich sagen, es ist in seinen Aussagen und in seinen Ansprüchen überwiegend eine Sache der Vergangenheit.

00:04:20: Und das finde ich ganz gut so.

00:04:23: Jetzt hast du die erste Differenzierung gleich wieder eingeholt.

00:04:27: Und das finde ich auch gut so.

00:04:29: Das Presse-Gethive mit dem Beschreibenden verknüpft.

00:04:35: Ich wäre... Ich würde sehr deutlich dafür plädieren, dass wir bei dem, und es ist gut so, nicht bleiben, dass das mal aus dem Vorlassen, weil dann werden wir nämlich ganz schnell fertig, weil ich es natürlich nicht gut finde, beziehungsweise auch nicht so interpretieren würde.

00:04:49: Und dann hätten wir einfach ein Dissens, der sich auch nicht weiter besprechen lässt.

00:04:53: Aber bleiben wir doch mal bei dem Beschreibenden Modus.

00:04:57: Und dann ist es so, dass Du sagst, dass die Religion tatsächlich, also Schriftreligion, in dem Fall jetzt das Christentum in Europa und oder im sogenannten Westen nicht mehr den Einfluss hat, den es früher hatte.

00:05:10: Ich glaube, diese allgemeine Aussage, der ist unterweiteres zuzustimmen.

00:05:15: Und ich glaube auch, dass der Einfluss der Religionen also in dem Fall auch das Christentums auf die Gesellschaft deutlich nachgelassen hat, drastisch nachgelassen hat.

00:05:30: Allerdings würde ich als Theologel zunächst einmal sehr vorsichtig sein zu sagen, damit sind sie eine Sache der Vergangenheit.

00:05:40: Ich würde gerne ausführen, weil tatsächlich es ja so ist, dass wir das Christentum betreffend auf zweitausend Jahre Erfahrung zurückblicken können.

00:05:51: Und da sieht man, dass das Christentum bei Weitem nicht ein einliniger, linearer Prozess, ein einliniger, näherer Prozess durchlaufen ist, sondern es immer sozusagen sehr schwankende Entwicklungen gab.

00:06:05: Also in Frühmittelalter zwischen der Antike und dem Frühmittelalter VI.

00:06:10: bis VIII.

00:06:10: Jahrhundert, aber das mit dem Christentum nicht viel zu machen.

00:06:13: Da gab es relativ wenig Menschen, die noch Schreiben und Lesen konnten, ein paar wenige Klöster, in denen man das noch konnte und die Dinge bewahrt hat, aber die allermeisten Menschen eher Paganen oder herangestammten Religionsformen angehörten.

00:06:28: Selbst wenn sie dann nominal vielleicht Christen sein sollten, so waren sie dann aber überhaupt nicht im Klaren, was denn genau dieses Christentum.

00:06:36: solche Phasen gab es, daraus hat sich wiederum anders entwickelt, deswegen wäre ich vorsichtig zu sagen, weil wir jetzt diese Phase haben, ist eine Sache der Vergangenheit, möglicherweise ja auch der Zukunft.

00:06:48: Also was die reine Prognosefähigkeit angeht, muss ich dir natürlich zustimmen, dass es sozusagen ein Restrisiko des Rückfalls in Religion gibt, auch wenn man schon weitgehend säkulare Zustände hat.

00:07:02: Das kann ich nicht ausschließen, aber wir haben da in der Gestaltung dieser kulturellen Zukunft offenbar unterschiedliche Grundinteressen.

00:07:10: Vielleicht sollten wir, was die soziologischen Rahmendaten angeht, in Deutschland noch mal eine kleine Bestandsaufnahme machen.

00:07:15: Es war jahrhundertelang einfach so, dass die christlichen Inhalte eine umfassende und durchgreifende Prägung der gelebten Kultur bedeutet haben.

00:07:26: Also von den Namensgebungen, Namens Tage, die Feiertage, die Kirche als das zentrale Gebäude in jedem Ort bis ins kleinste Dorf, das höchste Gebäude mit dem Turm, die Herrschaft über die Zeit, wo ist die Uhr, die ist am Kirchturm usw.

00:07:42: Diese durchgreifende Prägung auch im Lebensvollzug, die Taufe zu beginnen und dann die, je nachdem Kommunion, Konfirmation, christliche Ehe-Schließung.

00:07:51: und wer spricht am Grab?

00:07:52: selbstverständlich ein Fahrer und wenn jemand den moralischen Maßstäben nicht genügt hat oder selbst mal da war, dann dürfte er eben nicht in Geweiter Erde beerdigt werden und so weiter.

00:08:01: Also eine tiefe Prägung durch christliche Vorstellungen.

00:08:06: Die durchaus auch mit sozialer Ausgrenzung bei Nichtbefolgung bis hin zur Gewaltandrohung verbunden war.

00:08:12: Also, dass Landesteile wieder christlich wurden.

00:08:16: Ich denke, etwa an die Missionierung der Sachsen zu Zeiten von Kalten Großen.

00:08:21: Das war ja kein friedlicher Vorgang.

00:08:23: Das war ja nicht so, dass da gute Argumente überzeugt haben, sondern das ist tatsächlich auch gewaltförmig geschehen.

00:08:30: Und dieses Durchgreifende.

00:08:32: bis hin zur Legitimation von Herrschaft und zu politischen Interessen usw.

00:08:37: Das hat sich doch sehr, sehr aufgelöst.

00:08:40: Das ist doch massiv im Synkflug.

00:08:42: Also nicht umsonst wird ja von Traditionsabbruch und von Laubensverdampfung gesprochen, auch von Religionssozologen, auch von Theologen, die das durchaus erkennen.

00:08:50: Das bricht doch alles weg.

00:08:52: So ist es doch, oder?

00:08:54: Also wenn du das Christentum mit der Schwertmission Karl des Großen identifizierst.

00:09:00: Dann, Gott sei Dank, ist es weggebrochen und Gott sei Dank ist es hoffentlich nie mehr wiedersehen auch verschwunden.

00:09:08: Aber das Christentum ist ja was eigentlich sehr anderes, das sehr unterschiedliche Formen annehmen kann, leider Gottes eben auch die, dass man mit Gewalt missioniert hat, aber eben auch mit Argumenten missioniert hat.

00:09:24: Es werden regelmäßig Theologien und Theologen ausgebildet, nicht in der Schwertkampfkunst, sondern darin mit Worten zu überzeugen und das seit Jahrhunderten.

00:09:35: Im Übrigen ist auch die Aufklärung in Deutschland, im deutschsprachigen Raum, nicht so guter Letzt, auch durch Personen erfolgt, die eben genau diese Argumentationskraft entwickelt haben in dem Lernen der Theologie.

00:09:53: Also, das Christenturm hat sehr unterschiedliche Formen angenommen, das für mich Die für mich leidgebende Form ist eben auch der Argumentative in Auseinandersetzung.

00:10:04: Nicht zuletzt finde ich ja auch immer gerne bereifendweise empfinden.

00:10:08: Treffen wir uns darin, uns hier auseinanderzusetzen mit Argumenten.

00:10:14: Und da ist aber auch ein Rückgang festzustellen.

00:10:17: Tatsächlich sind die Argumente, die christlich begründet sind in unserer Gesellschaft von immer geringerer Relevanz.

00:10:28: Also das, glaube ich, kann man zoologisch sehr gut nachweisen und dem kann man auch wenig entgegensetzen.

00:10:34: Das ist auch keine Sache des Interesses der Kirche, das jetzt in Frage zu stellen.

00:10:39: Im Gegenteil ist es tatsächlich so, dass Kirche und auch die Theologie recht früh diese Entwicklung auch gesehen und benannt haben.

00:10:52: Nur ist für mich die Frage, ob das zu einer Einlinigkeit wird.

00:10:57: Wenn man jetzt den letzten zwanzig, dreißig, fünfzig Jahren folgt, dann ist das, ich sag mal für jemanden, für einen Vertreter von Kirche, ein... Ungute Entwicklung, eine pfliot deprimierende Entwicklung.

00:11:12: Ich bin nur nicht sicher, ob man das sofort schreiben kann, sondern ich glaube, dass es tatsächlich ja im Säkularenraum auch nicht die wirklich starken Antworten gibt, sondern auch jede Menge Fragen.

00:11:24: Und ich bin mir relativ sicher, dass Antworten aus dem Traditionsraum des Christentums auch in der Zukunft noch ein erhebliches Gewicht haben werden.

00:11:36: Ja, also ich nehme natürlich auch wahr und gebe gerne zu, dass Theologen heute sich ganz anders verhalten als vor Jahrhunderten und auch inhaltlich andere Positionen vertreten.

00:11:45: Und gerade protestantische Theologen in Deutschland sind sehr kommunikationsoffen.

00:11:52: Unbedingt, ob das für amerikanische Fernsehprediger, z.B.

00:11:55: in gleicher Weise gilt, ob die auch schon so in der Gegenwart angekommen sind, da bin ich dann nicht so sicher.

00:12:01: Also, das Christenturm hat dann auch unterschiedliche Ausprägungen und unterschiedliche Facetten.

00:12:07: Und der orthodoxen Kirche vom Moskauer Patriarchat gar nicht zu reden.

00:12:12: Aber das, was du auch nicht verteidigen wollen.

00:12:16: Noch mal Blick auf das soziologische, welche Rolle spielt die Organisation Kirche dabei.

00:12:23: Also, augenfällig sind ja die Austrittszahlen und wir haben gegenwärtig in Deutschland vierundvierzig Prozent konfessionsfreie Tendenz steigend.

00:12:34: Da brechen ja selbstverständlichkeiten weg.

00:12:37: Das würde ich tatsächlich überwiegend positiv bewerten, weil ich Einfach die christliche Rahmenhandlung, also diese Erlösungsmetaphysik und die Sonderstellung Jesu Christi im Weltgeschehen und so weiter, die finde ich nun aus vielen Gründen nicht wirklich überzeugend.

00:12:52: Das magst du anders sehen, aber da nimmt doch auch inhaltlich eine Bindung ab und das zeigt sich dann in den oft über Jahre verschleppten Austrittsentscheidungen.

00:13:03: Also, man tritt ja bei uns nicht reflektiert mit achtzehn Jahren aus Überzeugung in eine Kirche ein, sondern man wird hineingetauft.

00:13:13: Und wenn man dann nichts damit anfangen kann, muss man sich irgendwann zum Austritt entscheiden.

00:13:19: Da gibt es ja einen gewissen Hystereseffekt.

00:13:21: Also, Menschen bleiben, weil sie nun halb mal drin sind, im Zweifel länger drin, als ihre Glaubensüberzeugung es eigentlich nahelegen würde.

00:13:29: Also, Austrittswelle, geringer Organisationsgrad, damit lösen sich auch die Inhalte auf, oder siehst du das anders?

00:13:40: Das sehe ich anders.

00:13:41: Die Inhalte sind für mich nicht direkt gekoppelt darin, wie viele Menschen noch Mitglied der Kirche sind.

00:13:48: Man kann ja auch Wahrheit sagen und doch in der Extremminderheit sein.

00:13:53: Ich sage mal, die ersten Aufklärer waren genau in der Lage.

00:13:57: Wenn man dann nur nach Köpfen gezählt hätte, dann hätten die Aufklärer, die sich nie durchsetzen können.

00:14:01: Es geht auch darum, zu fragen, wer hat nun wirklich starke Antworten auf bestimmte Fragen.

00:14:08: Ja, die Beschreibung der Entwicklung der Kirche hast du gegeben.

00:14:14: Der kann ich nichts hinzusetzen.

00:14:16: Das ist in der Tat so, dass die Zahlen sehr eindeutig sind, auch gerade in den letzten Jahren noch an Eindeutigkeit gewonnen haben.

00:14:25: Ich frage mich nur, welche Folgerung man daraus sieht.

00:14:30: Die Leitfrag, unter der wir hier diskutieren, sind die Religionen.

00:14:34: Das Christentum ist eine Sache der Vergangenheit.

00:14:37: Da wäre ich außerhalb nicht skeptisch aus zwei Gründen.

00:14:40: Das eine ist, die Kirche ist ja nicht allein betroffen.

00:14:44: was Austrittszahlen angeht.

00:14:47: Die SPD hatte etwa noch eine Million Mitglieder.

00:14:51: Jetzt gibt es noch mal dreihundert und X-tausend.

00:14:53: Die CDU ist von sechshundert auf vierhunderttausend.

00:14:57: Die traditionellen Karnevalsvereine, ich wohne ja hier im Rheinland, haben Mitgliedersorgen und Nachwuchsorgen.

00:15:05: Es gibt sozusagen im gesamten Vereinswesen riesige Probleme.

00:15:08: Das ist ein Problem, eine Sache, die unsere Gesellschaft im Ganzen kennzeichnet.

00:15:13: Und daher würde ich sagen, ist die Kirche in keiner Sondersituation, aber sie ist natürlich erheblich davon betroffen.

00:15:23: Das andere ist die Frage, welche Antworten auf existenzielle Fragen aus der Gesellschaft herausgegeben werden.

00:15:32: Und da sage ich mal, sind die... in ihrer Überzeugungskraft auch überschaubar.

00:15:38: Also bei rundlingen Fragen, man kann ja sagen, soll sich jeder selbst eine Meinung bilden.

00:15:44: Aber was sozusagen an gängigen Möglichkeiten geboten wird, ist das jetzt nicht so, dass Menschen Das Christendum hatte eine Antwort A und die Menschen laufen jetzt nun eine Antwort B hinterher, die eine klar beninnbare Alternative wäre, sondern es wird eher die Fuß.

00:16:03: Und so richtig Antworten gibt es nicht.

00:16:06: Ich kann mich erinnern, dass in Zu Beginn dieses Jahrtausends, also das Jahr zweitausend herum, es eine ganz erhebliche Aufmerksamkeit gab auf buddhistische Missionen, die auch in Deutschland geschehen ist.

00:16:21: Und ja, der buddhistische Bund hat bis heute nur eine sehr überschaubare Zahl von Mitgliedern.

00:16:27: Also das ist irgendwie ins Leere gelaufen.

00:16:30: Und ich meine, es gibt nach wie vor eine Zahl von Buddhistinnen und Buddhisten in Deutschland, aber die Pizzat ist nicht drastisch gestiegen.

00:16:38: Kurzum, dass Christendom ist nicht eine Antwort, die dann dadurch obsolet wird, weil es eine bessere Antwort gibt, sondern eher, weil man sich wie in vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen auch einer vorgegeben Antwort nicht mehr so zugehörig fühlt.

00:16:56: Aber wie gesagt, das heißt nicht, dass die Antwort deshalb schlecht ist und also die Inhalte noch mal davon unabhängig diskutiert werden.

00:17:04: Ja, gut.

00:17:05: Könnte jetzt Flapsich sagen, mein Mitgefühl hält sich in Grenzen mit der SPD und mit der CDU und mit den Kannevalsvereinen.

00:17:13: Aber du hast ja noch was viel Wichtigeres dann ausgeführt, nämlich, woher kommen gesellschaftliche Maßstäbe, die Verbindlichkeit beanspruchen können, was hält die Gesellschaft zusammen?

00:17:23: und wie äußert sich das Ganze dann organisatorisch?

00:17:27: Und in der Tat, da wird vieles immer kleinräumiger.

00:17:31: Das muss ich bestätigen, auch aus einer secular-humanistischen Sicht heraus.

00:17:34: Ich interessiere mich ja für die überwiegend doch recht kleinen und Einflussarmen, secularen Organisationen, humanistischen Verband Deutschlands, Giordano Bruno Stiftung, Bund für Geistesfreiheit.

00:17:47: Wenn man die alle zusammenzählt, also auch die im Zentralrat der konfessionsfreien organisiert sind, wenn man die alle zusammenzählt, dann sind es vielleicht so knapp hunderttausend Personen bei einer Bevölkerung von über achtzig Millionen.

00:18:02: Das wird auf absehbare Zeit nicht die Mehrheit werden.

00:18:04: Also die Menschen treten solchen Organisationen offenbar nicht so wahnsinnig gerne bei.

00:18:12: Und sie haben wohl das Gefühl, das braucht man nicht oder wenn will ich mich da nicht lebenslang binden und so.

00:18:19: Aber tatsächlich Fragen bleiben und Funktionen müssen erfüllt werden.

00:18:23: Also das können wir ja nochmal vertiefen.

00:18:26: Welche Funktionen hat denn die Kirche erfüllt?

00:18:29: Das war ja nicht nur Also, ich würde mal sagen, dass das Verbreiten einer irgendwie von metaphysischen Vorstellungen, die sich dann an wissenschaftlichen Erkenntnissen brechen und zu Recht absterben, sondern das waren auch Sozialdienstleistungen.

00:18:45: Und da ist die Kirche ja weiterhin Träger und Anbieter mit Karitas und Diakonie, Kindertagesstätten und Sozialstationen und Krankenhäuser und so weiter.

00:18:56: Nun kann man sagen, naja, aber diese Sozialkonzerne, Caritas und Diakonie, die gibt es ja weiterhin, die werden ja auch entsprechend refinanziert und die bewegen sich vielleicht von der religiösen Bindung schrittweise weg.

00:19:11: Dann wurde die Funktion ja weiterhin erfüllt und die Religiosität nimmt aber ab, was dann vielleicht gar nicht stört.

00:19:20: weil sich die Menschen bei Lebenssinnfragen und bei ethischen Fragen und so weiter halt in anderen Formen verständigen.

00:19:28: Und wenn dabei auch sekulare kritische Argumente und humanistische Inhalte eine Rolle spielen und so weiter, dann könnte ich auch damit leben, dass es gar nicht so viele Mitglieder humanistischer Organisationen gibt.

00:19:41: und du könntest umgekehrt auch damit leben, dass die Kirche halt, ich will nicht sagen, zur Sekte wird, aber sozusagen zur Minderheitsveranstaltung wird.

00:19:50: Was hier die Faktor jetzt ist.

00:19:52: Ja,

00:19:53: das ist eine Perspektive.

00:19:54: Ich glaube, darauf läuft es hinaus, oder?

00:19:56: Darauf läuft es hinaus.

00:19:57: Das ist auch ungänglich.

00:19:58: Und wie gesagt, ich glaube, dass die Minderheitssituation jetzt schon eingetreten.

00:20:02: Es ist jedenfalls, was die großen christlichen Kirchen angeht, katholischen Evangelisch zusammen haben, nicht mehr fünfzig Prozent der Bevölkerung.

00:20:08: Ja, also vom Volkskirche zu reden, dass da der Begriff, den man in der Vergangenheit gerne genutzt hat, das ist schwierig geworden.

00:20:16: Du sprichst von Funktionen.

00:20:18: Da würde ich jetzt tatsächlich ein bisschen unterscheiden.

00:20:20: Es gibt Funktionen, die sich aus dem sehr engen und gut beschreibbaren sozialen Funktionen ergeben, also zum Beispiel der karitativen Tätigkeiten und dergleichen mehr.

00:20:37: Die wird es in irgendeiner Form weitergeben.

00:20:39: Es gibt ja auch die Arbeiterwohlfahrt und andere Organisationen, die Samarita wohnen, die tatsächlich diese Aufgabe übernehmen.

00:20:49: Das werden auch Diakonie und Karitas sein, aber eben nicht nur und diese Funktion wird in irgendeiner Weise weiter bedient werden.

00:20:59: Aber die Frage ist ja, in welchem Geist man so etwas tut und mit welcher Haltung und mit welchen... Mit welcher Orientierung, lebenswältigen Orientierung man es tut.

00:21:13: Und da kommen dann Argumente hinein, dann kommen starke Symbole hinein, Bilder, die meiner Ansicht nach die Gesellschaft nicht so aus sich herausgenerieren kann.

00:21:23: Also das finde ich ganz erstaunlich, dass ja unsere Gesellschaft jetzt nicht ein Humusboten neuer großer, starker Symbole ist, sondern dass das doch eher sehr, sehr, wie du sagst, kleinräumig wird und die Orientierung sich dann mehr oder minder verliert und jeder seines eigenen Glückes schmied sein muss.

00:21:46: Gleich noch eine Relativierung zu dem, was du sagst.

00:21:51: Folgen ja der Frage, gehören Religionen der Vergangenheit an?

00:21:55: und da hast du dich aus Christentum bezogen und ein bestimmtes Bild von Kirche im Blick, weil wir durch einen starken Veränderungen jetzt ausgesetzt sind, würde ich noch zumindestens in Erinnerung rufen, dass die ersten drehundert Jahre der Existenz des Christentums keine Staatsreligion war, sondern eher eine Verfolgtreligion.

00:22:15: Drehundert Jahre ist lange Zeit und das ist auch die Zeit, in der sozusagen sich die dass Christen so informiert hat.

00:22:21: Deswegen muss ich sagen, ist mir gar nicht bange.

00:22:24: dass das Christentum dadurch sich verlieren könnte, weil es sozusagen aus der Genese in drehundert Jahre sind immerhin, was ich eine Menge Generationen, also zwölf, dreizehn Generationen, dass in dieser Zeit es sozusagen das Christentum gab, sich auch entwickelt hat, sich verweite und zwar nicht aufgrund von Schwertern und Staatsräson, sondern aufgrund von Worten, Symbolen und Sinnzuschreibungen.

00:22:53: Deswegen bin ich sicher, dass das Christentum auch in der Lage sein wird, damit umzugehen, dass sie nicht mehr das Repräsentant von Volksregion ist.

00:23:02: Also ich würde Bedenken anmelden, was eine Idealisierung des Frühchristentums angeht.

00:23:06: Sie sind nicht auch damals schon Ariana verfolgt worden und die Gnosis und so weiter.

00:23:12: Da gab es doch auch schon Auswahlprozesse.

00:23:14: War das nicht schon die Autorität früher?

00:23:16: Bischöfe, die dann ihren Einfluss gesichert haben und so weiter?

00:23:20: Nicht mit

00:23:20: Gewalt.

00:23:22: Na gut.

00:23:22: Also auf Synoten.

00:23:23: Das heißt, es gab Synoten und dann gab es verschiedene Parteien, die tatsächlich miteinander diskutiert haben.

00:23:29: Und dann gab es tatsächlich auch Ausschlussverfahren.

00:23:31: Die Ausschlussverfahren fanden aber nicht mit Gewalt statt.

00:23:35: Leute verfolgt oder getötet wurden, sondern fanden so statt, dass man sie nicht mehr zugelassen hat oder so.

00:23:44: Die Organisation hat schon um ihre Mitte gerungen, aber nicht mit Gewaltmaßnahmen.

00:23:51: Gewaltmaßnahmen gab es vonseiten des Staates, war der römische Staat.

00:23:55: Und bis ins vierte Jahrhundert hinein, zu Beginn des Jahrhunderts, gab es ganz erhebliche Verfolgungen, bei denen sehr viele Menschen gestorben sind, den Christen bekannt haben.

00:24:07: Es gab aus einer Sitzung, ja, von Beginn an, aber die waren eher so, dass man sich das Christen sozusagen wechseln hat, die Absprache.

00:24:17: Also, als das Christentum aber die Macht hatte, sind Verhältnisse eingetreten, bei denen es teilweise umgekehrt ging, Bibliotheken, Standria und so weiter.

00:24:26: Das will du auch alles nicht verteidigen, das verstehe ich schon.

00:24:29: Aber ich meine, eine Frage ist ja, wie wird so eine geistige Bewegung prägend.

00:24:38: Das ging hand in hand mit der politischen Macht.

00:24:42: Da wurde ein Autoritätsanspruch aufgebaut und am Ende auch durchgesetzt und dann akzeptiert.

00:24:50: Wenn wir heute fragen, wie wir zu verbindlichen Maßstäben kommen, dann funktioniert das, glaube ich, nicht mehr in dieser Weise, denn das stellen wir ja fest, keine der gesellschaftlichen Gruppen kann eine umfassende Autorität für sich in Anspruch nehmen und vielleicht würden wir uns das auch gar nicht mehr wünschen.

00:25:07: Also ist der Weg der Gegenwart nicht dadurch gezeichnet, dass man eine säkulare Rahmenordnung hat, die Werte des Grundgesetzes, das säkulare Staat, der von jedem respektiert werden muss und von der Mehrheit ja auch respektiert wird.

00:25:21: und innerhalb dieses Rahmens können dann unterschiedliche weltanschauliche Vorschläge, unterschiedliche Wertsetzungen unterschiedliche Sinnpräferenzen verfolgt werden und sich dann auch aufeinander beziehen und miteinander diskutieren.

00:25:35: Da stand mir doch zu funktionieren.

00:25:36: Das läuft doch halbwegs, oder?

00:25:39: Natürlich, aber man muss halt differenzieren, was mit Staat und Gesellschaft.

00:25:42: Also ich habe unsere Diskussion auf die Gesellschaft bezogen gesehen, also wenn ich zum Beispiel darüber gesprochen habe, von gesprochen habe, dass es keine so starken Antworten, Symbole und dergleichen gibt, die die Gesellschaft ausgeprägt, habe ich nicht über den Staat gesprochen.

00:25:55: Der Staat setzt einen Rahmen oder macht eine Vorgabe, in der er dessen sich Gesellschaft friedlich entwickeln kann.

00:26:01: Und unser Staat, Gott sei Dank, hat da eben das Grund gesetzt, dass eben jetzt der und sehrweise konstruiert, sodass wir, sag ich mal, mancher Fragen entledigt sind und auch in diesem Raum, den diese Verfassung ermöglicht, leben können.

00:26:19: Aber dann ist immer noch nicht geklärt, wie wir unser Leben gestalten.

00:26:22: Das gibt die Verfassung eben ja nicht vor.

00:26:25: Und da gibt es da Menschen aber nach Antworten suchen zur Lebensorientierung.

00:26:32: Gibt es dann halt eben ein Wettbewerb, derer, die halt Antworten geben.

00:26:36: dazu gibt?

00:26:37: auch das Christen ungehören, auch die Kirchen.

00:26:39: Und da ist meine Aussage, dass tatsächlich die Kirchen sehr stark an Einfluss abgenommen haben, dass ich aber, deswegen ja der Verweis aufs Christentum und auch die lange, lange Geschichte des Christentums, ich nicht pessimistisch bin, sondern denke, ja, das ist tatsächlich, findet das jetzt statt.

00:26:58: Aber das kann sich auch wieder deutlich in eine andere Richtung entwickeln.

00:27:02: Nicht im Sinne eines autoritären Christentums.

00:27:05: Ich hoffe jedenfalls nicht.

00:27:07: Aber im Sinne des Einflusses, des kulturellen Einflusses, dass es halt schon ein paar Dinge zu beschreiben gilt, wenn man denn seine Leben orientieren will.

00:27:16: Und dazu gehört, was ist das Feld des Tod und Leben?

00:27:19: Was hält Menschen zusammen?

00:27:22: Gibt es solche Konzepte von Treue und Solidarität?

00:27:26: Wie begründen die sich?

00:27:27: Ist das eine Geschwachsfrage oder dergleiche mehr?

00:27:33: Ja, ja.

00:27:34: Also, wenn wir nicht mehr die großen Mächtigen... Organisationen haben, die alles dominieren und es geht mir ja eben als Humanist genauso, dann muss man halt zufrieden sein sozusagen mit kleineren Netzwerken, mit dem Interessenbasierten Austausch, etwa in Vereinen, also weiterhin sind die Deutschen ja Weltmeister im Gründen von Vereinen.

00:27:55: und so ist es ja nicht so, dass die Menschen völlig vereinsamen, sondern die Individualität sucht sich dann eben auch soziale Kontakte.

00:28:04: Das scheint mir ein Vorurteil zu sein, dass die Leute immer allein gelassen sind gewissermaßen und da ihre Maßstäbe verlieren, sondern wir tauschen uns ja aus mit anderen.

00:28:13: Und da will ich dich noch mal fragen, was deine Hoffnung ist bezogen auf die Rolle des Christentums in der Zukunft.

00:28:20: Du scheinst ja zu glauben, dass es da eine Botschaft gibt, die weiterhin gefragt ist und die sich verbreiten kann, auch ohne eine mächtige Kirche.

00:28:30: Und das finde ich erstaunlich.

00:28:31: Woher nimmst du denn diese Hoffnung?

00:28:32: Also ich nehme das christliche Gedankengebäude sozusagen als eine Art über Jahrhunderte zusammengefügter Ideologie wahr und auf viele Datlaubensaussagen würden die Leute doch nicht kommen, wenn es ihnen die Kirche nicht einredet.

00:28:48: Und wenn man jetzt den Einflussverlust der Kirchen vor Augen hat, worauf hoffst du dann?

00:28:54: Ja, das ist die Steilvorlage.

00:28:56: Das kann ich jetzt einmal beantworten.

00:28:58: Du wirst mir zustimmen und wir können diese Gesprächsreihe beenden.

00:29:02: Nein, natürlich lässt sich das jetzt nicht eindeutig genau benennen.

00:29:06: Aber es ist, glaube ich, auch ziemlich unbestreitbar, dass das Christentuben schon auch über die Reflexionsformen der Theologie Beantworten gibt auf Lebensorientierung.

00:29:23: Die Frage nach Sinn des Lebens stellt und über Symbole, Riten und dergleichen zu beantworten sucht.

00:29:33: Also ich sag mal, was ich wahrnehme, ist in unserer Gesellschaft eine sehr starke Implizite und zum Teil oft auch explizite Orientierung an Leben im Wohlstand.

00:29:46: Was wäre, wenn dieser Wohlstand nicht mehr so zu gewährleisten ist?

00:29:55: sofort unglaublich viele Fragen aufbrechen.

00:29:58: Was ist überhaupt gerecht?

00:30:00: Wie komme ich davor?

00:30:03: Was macht das überhaupt sinnvoll, wo ich liebe, wenn ich nicht mehr so leben kann, wie meine Eltern in den Wohlstand, meine Eltern, die in denen sie gelebt haben?

00:30:11: All diese Fragen brechen auf.

00:30:13: Und ich glaube, dass diese Orientierung an dem Wohlstand durchaus eine Vordergründige ist.

00:30:20: Wenn man also der Menschheitsgeschichte folgt, dann weiß man, es gibt Phase in den den sozusagen immer sozusagen zu größerem Wohlstand drängt, aber es gab auch Phas, in denen es anders war.

00:30:31: Und dann braucht man tatsächlich plötzlich Ressourcen, kulturelle Ressourcen, um diese neue Situation beschreiben zu können und auch Orientierung zu geben, wo man denn hin möchte.

00:30:40: Dann hilft es nicht, eine bessere Ausbildung zu machen, um mehr Geld zu verdienen, sondern da muss man eine andere Orientierungsform finden.

00:30:49: Da haben wir von der Frage des Wohlstands, der Wohlstandsorientierung ist das Größentum einigermaßen unbelastet.

00:30:56: Deswegen glaube ich, dass es da eine Menge Möglichkeiten gibt und Ressourcen, um auch mit Frustrationen umzugehen.

00:31:04: Also mit einem beschädigten Leben.

00:31:06: Auch ein beschädigtes Leben ist sinnvolles Leben.

00:31:09: Das lässt sich aus manchen Optimierungsregeln der Gesellschaft nicht ableiten.

00:31:15: Aber aus dem Christentum.

00:31:16: Und ich glaube, dass es da eine Menge Fragen gibt.

00:31:18: Nö, vielleicht darf ich das noch sagen.

00:31:20: Eine der, so sagt es jedenfalls, der Stand der Wissenschaft, einige der einer der wichtigsten Argumente, überzeugenden Argumente in dem frühen Christentum waren jetzt nicht zylogische Argumente, sondern war die Fürsorge für die alten Schwachen und Kranken.

00:31:42: Als im Christentum war das von Ginan damit verbunden.

00:31:46: Also es gibt offenkundig Sinnressourcen, die man gesellschaftlich nicht so leicht schaffen kann, die aber vom Christentum her sehr befördert werden.

00:31:57: Ja, das römische Kaiserreich hat ja ein sozialpolitisches Defizit, das dem Christentum den Aufstieg ermöglicht hat, dass es ohne Zweifel so.

00:32:04: Du wirst ganz berechtigte Fragen auf, Fragen sozialpolitischer Art, Fragen auch begrenzter ökologischer Ressourcen und des zukünftigen Zusammenlieges der Menschheit und so weiter.

00:32:15: Ich sehe nur nicht so recht, wie man mit Gott und Jesus und Bibel dabei zurande kommen soll.

00:32:20: Also, ich denke, wir werden einen gesellschaftlichen Diskurs immer haben über die Probleme, die in einer jeweiligen Generation zu lösen sind.

00:32:30: Aber die Ressourcen, die man zur Lösung heranzieht, auch die geistigende, intellektuellen Ressourcen, die können sich ja weiterentwickeln und die haben sich seit der Aufklärung sehr weiterentwickelt und ich sehe nicht, was daran der Rahmenthese, dass Religionen überwiegend eine Sache der Vergangenheit sind, widersprechen könnte.

00:32:54: Können

00:32:54: wir beide nicht in die Zukunft schauen.

00:32:56: Vielleicht ist es sinnvoll, das nochmal zu kontrastieren mit anderen Weltgegenden.

00:32:59: Wir haben uns jetzt sehr auf das Christentum beschränkt, weil wir uns da ja auch am besten auskennen im eigenen Kulturkreis.

00:33:08: denke, es kann in anderen Weltteilen andere Entwicklungen geben.

00:33:12: Ich glaube, dass sich aufklärerische Grundwerte, menschenrechtliche Ideale langfristig auch anderswo durchsetzen werden, weil sie den Grundinteressen der Menschen entsprechen.

00:33:24: Aber der Weg kann kompliziert sein und das kann in manchen Weltteilen noch sehr lang dauern und die Religion stirbt nicht überall gleich ab.

00:33:34: Wie siehst du denn das Verhältnis von Christentum im Westen zu anderen religiösen Prägungen auf der Welt.

00:33:42: Ja, das ist eine sehr komplexe Frage.

00:33:46: Ich würde tatsächlich noch einen anderen Pfad nochmal gerne aufnehmen wollen, den du gerade genannt hättest, welche Antworten kann denn das Christentum geben, wenn wir sozusagen doch sozusagen rationale Antwortmöglichkeiten haben.

00:34:00: Ich sage mal eine Ressource oder eine Eine Dimension menschlicher Existenz lässt sich recht leicht im Christentum beschreiben, dass die Dimension der Schuld, Schuldhaftigkeit, dass sich im sekularen Diskurs nicht so leicht beschreiben lässt.

00:34:19: Tatsächlich haben wir in der ökologischen Debatte festzustellen, dass mit der Ausbreitung der Industrialisierung aus den europäischen Kernländern heraus, wir eine einen Verbrauch oder eine Produktion von CO² über Jahrhunderte befördert haben, die heute erhebliche Teile der Gewählt unter großem Stress stellt und künftig wahrscheinlich noch stärker.

00:34:45: Jetzt kann man sagen, ja, wir müssen das jetzt technisch lösen und dann brauchen wir die Gegenmaßnahmen und dann kann man es versuchen.

00:34:51: Wir merken, dass wir nicht so schnell sein werden, wie wir es wünschen.

00:34:56: Wir werden nicht erhebliche Einschränkungen verhindern können.

00:35:00: Und dann fragt sich ja, wieso kam überhaupt dazu?

00:35:03: Und dann ist schon, glaube ich, eine Kategorie, dass man sagt, ja, es gibt offenkundig in unserem Verhalten auch die Möglichkeit, dass wir schuldig werden.

00:35:11: Darüber hat das Christentum schon einige Ressourcen, um das beschreiben zu können.

00:35:17: Ja, in der Tat wird es jetzt nochmal trennscharf zwischen Christentum und Sekularer Denkweise.

00:35:22: Also... Den Schuldbegriff würde ich überwiegend ablehnen, denn der Schuldbegriff führt auf moralisierende Pfade der Vergangenheit.

00:35:31: Reicht es denn nicht vom Verantwortungsbegriff zu reden?

00:35:35: Ja, unsere Handlungen haben Auswirkungen und das muss man eben zu Ende denken und dann muss man auch mal Verantwortung übernehmen und das wird in vielen Bereichen eine globale Sichtweise erfordern, sicherlich.

00:35:47: Aber der Schuldbegriff führt uns doch da nicht weiter.

00:35:49: Der Schuldbegriff führt nur dazu, dass man gegenseitig mit dem Finger auf sich zeigt und den Schuldigen sucht.

00:35:53: Das führt nicht

00:35:54: weiter.

00:35:54: Naja, jetzt kommt noch an, wie du das unter Schuld verstehst.

00:35:56: Ich verstehe darunter, dass man zunächst mal akzeptiert, dass man versagt hat.

00:36:02: Die Verantwortungsbegriff... Du kannst den auch nehmen und dann sagen, okay, die Verantwortung, ich übernehme Verantwortung.

00:36:08: Das heißt, ich bekenne mich, ja Alvid, was denn?

00:36:11: Schuldig, dies und das getan zu haben.

00:36:15: Also diesen Schuldbegriff man nicht, den man zum Beispiel einem Gerichtsspruch auch hört, dass jemand schuldig ist, einen Umtag begangen zu haben.

00:36:23: Und in gewisser Weise sind wir tatsächlich auch schuldig.

00:36:26: Also der Verantwortungsbegriff ist darin stark, wenn man auf die Zukunft schaut und guckt, wie kann man die Zukunft entwickeln.

00:36:33: da wir jetzt erkennen müssen, dass wir aus einer Vergangenheit stammen, die wir leichtfertig, wie auch immer, jedenfalls in einer Weise gestaltet haben, dass es jetzt und auch in absehbarer Zeit daraus Opfer geben wird, die finde ich, muss man noch eigenständig beschreiben.

00:36:51: Also einen generalisierten Schuldbegriff würde ich sowieso ablehnen, den etwa einer ganzen Generation oder einem ganzen Kulturkreis zuzuschreiben.

00:36:58: Nein, wieso denn?

00:37:00: Und die Analogie zu einem Straftäter ist auch völlig falsch.

00:37:02: Der Straftäter hat verstoßen gegen rechtliche Regelungen, die er kennen musste und die zum Zeitpunkt der Tat gegolten haben.

00:37:10: Das ist bei CO-Zwei-Emissionen oder bei technischen Entwicklungen oder auch bei politischen Entwicklungen der Vergangenheit ja völlig anders.

00:37:17: Woher weiß man denn, dass es anders damals besser gegangen wäre, vielleicht war es ein sinnvoller Schritt an bestimmten Stellen voranzugehen, auch mit negativen Folgen, aber die negativen Folgen können anschließend geheilt werden?

00:37:28: Und dann hat man wenigstens einen technischen, einen Entwicklungssprung vollzogen, den Europa unter bestimmten historischen Randbedingungen durch Aufklärung und Wissenschaft und Technik eben gehen konnte.

00:37:39: Aber das Hinterher sozusagen unter Beschädigung des eigenen Selbstbildes, Mies zu machen und uns alle verschuldig zu erklären, das halte ich für eine falsche Ramung tatsächlich.

00:37:50: Wenn Religion dazu führt, dann möge sie abnehmen.

00:37:56: Naja, wir haben neunzehntreiundsitzig Klapp- und Schirmbericht gehabt.

00:38:00: Seitdem haben wir die CO-Zwei-Produktion verdoppelt verdreifach.

00:38:04: Traffierfahrt weiß ich nicht genau.

00:38:05: Also es ist immer deutlich gesteigert.

00:38:09: Es ist uns möglich gewesen, aufgrund des nahen liegenden Wohlstandes, die sehr erheblichen und auch begründeten einen Würfe zu ignorieren.

00:38:19: Wir haben sogar in zwei Jahren die Rio de Janeiro Konferenz gehabt.

00:38:26: Wir haben seitdem ganz erheblich weiter in Deutschland Autos produziert und CO² Luft gestoßen.

00:38:32: Warum?

00:38:32: Weil wir ein angenehmes Leben führen wollen und am besten noch ein noch angenehmeres und damit Wohlstandsteigendes.

00:38:40: Das sind Dinge, mit denen wir uns schon konformieren müssen.

00:38:44: Ja, aber reicht es denn nicht, die Sachprobleme zu analysieren, ohne das Schuldkonzept zu aktivieren?

00:38:50: Ja, wenn du sagst, es ist egal, dann lass die doch jetzt leiten.

00:38:52: So ist es jetzt.

00:38:53: Ich glaube schon, dass du dich damit auseinandersetzen musst, dass es etwas gibt an Folgen eines Handelns.

00:39:00: Und die werden ja auch noch in Zukunft sein.

00:39:02: Also das heißt, in den nächsten zwanzig, dreißig Jahren wird es diese Folgen geben.

00:39:06: Wir kommen jetzt auf den Nebengleichs, merke ich gerade in unserer Diskussion.

00:39:10: Es ging eigentlich um die Vergangenheit von Religion.

00:39:13: Aber ich glaube, dass Religionen Ressourcen haben, die sozusagen über das hinaus gehen, dass man nüchtern, rational orientiert schaut, wie man ein Problem bestmöglich löst.

00:39:25: Es gibt also Fragen, im Post-Colonialism hat man das auch.

00:39:30: Es gibt also Fragen, die für mich von relevant sind, die tatsächlich auch die Vergangenheit betreffen und wo man nicht sagt, okay, lass die Vergangenheit die Vergangenheit sein, ich löse die Probleme von heute und das ist reicht mir.

00:39:40: Ja, also das Leid in der Welt kann mir als Humanist natürlich nicht egal sein.

00:39:44: Das will ich schon noch mal klarstellen.

00:39:45: Aber tatsächlich verbindet sich mit dem Schuldkonzept eine besondere Problematik.

00:39:50: Und ob das ein gutes Beispiel für gedankliche Ressourcen der Religionen ist, weiß ich nicht so recht.

00:39:56: Ich nehme aber zur Kenntnis, wenn dir das einfällt in diesem Zusammenhang.

00:40:03: Noch mal, wie siehst du andere Weltteile?

00:40:06: Würdest du sagen, deren gesteigerten Selbstvertrauen und deren zukünftiger Rolle auf globaler Skala nützt Religiosität, würdest du sagen, in anderen Weltteilen wird es langfristig Entwicklungen geben, die der Religion in Zukunft sichern?

00:40:27: Keine Ahnung.

00:40:27: Und wenn ich so sein, bin ich da... Dass im Unum so eine Kaffeesatz ist, sage ich mal, weil es zu groß ist und auch zu viele Faktoren hat, als dass man sie beurteilen könnte.

00:40:43: Man muss ja dann auch sehen, dass das Christentum, das in anderen Weltteilen gelebt wird, ja durchaus Für mich ein Christentum ist, dem ich mit einigen Befremden gegenüberstehe.

00:40:56: Es gibt ja nicht einfach die Religion als vorgegebene Größe, die dann hier oder da angewendet wird, sondern es gibt halt eben auch verschiedene Ausgeprägungen einer bestimmten Religion und von daher, das wären für mich zu viele Faktoren.

00:41:11: Ich würde tatsächlich die Diskussion eher auf unsere Hemisphäre begrenzen und da gibt es ja eine gute Gründe zu dieser Frage.

00:41:20: Zu den Auslandfragen gibt es sozusagen, gehören die Religionen der Vergangenheit an.

00:41:26: Wie siehst du das?

00:41:28: Ich hatte die Frage gestellt.

00:41:31: Also ich würde sagen, diese Antworten, die wir gesucht haben, zeigen, dass es ein ziemlich offenes Feld ist.

00:41:39: Ebenfalls, dass man nicht eindeutig sagen kann, sie gehören der Vergangenheit an.

00:41:42: Oder meinst du, mit unserer Argumentation gelbe es nun ein Schlussstrich?

00:41:47: Also, ich würde zunächst mal sagen, bezüglich der anderen Welteile, das ist ja ein schönes Beispiel für eine Fragestellung, bei der wir beide keine wirklich plakative Antwort geben können.

00:41:57: Ja.

00:41:58: So was gibt es eben auch.

00:41:59: Das kann in einem Gespräch ja auch rauskommen, dass man dann feststellt, ja, schon, die Frage ist nicht unwichtig, aber ich weiß die Antwort einfach nicht.

00:42:07: Ja, genau.

00:42:08: Und bezogen auf unsere Gesellschaft, ich denke, wir können nichts Besseres tun, als uns auch künftig über gefühlte Lagergrenzen hinweg austauschen, über die Erfordernisse des Handelns und über die Wertmaßstäbe, die dem zugrunde liegen.

00:42:25: Und da mögen manche eher den Transzendenzbezug als Stärkung empfinden und andere sind mit säkularer Rationalität zufrieden.

00:42:35: Und

00:42:36: dann diskutieren beide darüber, zum Beispiel in Formaten wie Doppelblick.

00:42:41: Ja, und dann lässt die religiöse Prägung schon nach.

00:42:46: Aber das Religiosität und damit auch die christliche Religion völlig verschwindet, das kann auch ich nicht voraussehen und nicht voraussagen.

00:42:55: Also ich hatte versucht Argumente zu nennen, die zeigen, dass es nicht so wahrscheinlich ist, was allerdings wahrscheinlich ist und was sich weiterentwickeln wird, ist eine Schwächung.

00:43:09: Also in absehbarer Zeit sehe ich keinerlei Anzeichen dafür, dass dass Christentum in Deutschland eine Stärkung erfahren würde.

00:43:19: Also das ist für mich nicht so leicht greifbar.

00:43:22: Ich hatte gerade das mit dem Schulbegriff mal so ausprobiert.

00:43:24: Ich bin auch nicht der Meinung, dass das ein eindeutiger Antwort auf etwas ist oder dass das ein klares Konzept ist, das man anwenden könnte.

00:43:31: Ich glaube nur, dass existenzielle Fragen gibt, denen wir ausgeliefert sind, auf die wir eine Antwort geben müssen.

00:43:39: und dass da ein rein sekularer Diskurs vielleicht auch ein bisschen kurz greift und es Ressourcen gibt, die sich aus dem Christenlum im Sonderen aber auch aus Religionen ableiten lassen.

00:43:52: Existenzielle Fragen sind tief.

00:43:54: Wir müssen einen anderen Mal weiter reden.

00:43:56: Das tun wir gerne.

00:43:59: Tschüss, Frank.

00:44:00: Tschüss, Helmut.

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